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PROGRAMMDETAIL

Liederabend Goerne · Trifonov

PROGRAMM

ALBAN BERG Vier Lieder op. 2

ROBERT SCHUMANN Dichterliebe op. 48

HUGO WOLF Drei Gedichte von Michelangelo

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Aus der Suite auf Verse von Michelangelo op. 145: Dante · Tod · Nacht

JOHANNES BRAHMS Vier ernste Gesänge op. 121

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Matthias Goerne, Bariton
Daniil Trifonov, Klavier

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Preise
€ 115,00 | € 95,00 | € 75,00 | € 60,00 | € 45,00 | € 30,00 | € 20,00 | € 15,00 | € 10,00

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Bei wenigen Künstlern waren Leben und Schaffen so sehr mit der kulturpolitischen Zwangslage in ihrer Heimat verbunden wie bei Dmitri Schostakowitsch: Einerseits vom Sowjetregime vereinnahmt und als international erfolgreicher Vorzeigekomponist gehandelt, blieb er andererseits keineswegs gefeit vor brüsken offiziellen Maßregelungen und potenziell lebensbedrohlichen Repressalien. Seine Suche nach Freiheit in den zuweilen quälend engen Grenzen der Doktrin ließ ihn immer wieder zu Tricks greifen, um hinter der notgedrungen angelegten Larve seine künstlerische und menschliche Integrität zu wahren. Der doppelte Boden aus Pathos und Groteske in seiner Musik wurde vom russischen Publikum spontan verstanden, im Westen jedoch lange Zeit missdeutet.

Flankierend zur Neuproduktion von Lady Macbeth von Mzensk spiegelt dies ein Schwerpunkt im Konzertprogramm wider, der Schlaglichter auf Schostakowitschs Wirken sowie auf die spezielle Beziehung zu verehrten Vorläufern wirft: Bach erwies er mit 24 Präludien und Fugen für Klavier seine Reverenz, in denen er dessen Klangsprache schrittweise seiner eigenen anverwandelte. Beethoven erkor er zum Leitbild seiner tagebuchartig intimen Streichquartette, unter denen das autobiografische achte ein unheimliches Klopfmotiv enthält, mit dem Oppositionelle einander vor anwesenden Spitzeln warnten. Die Symphonien durchzieht ein ins Groteske übersteigerter und zugleich bis auf die Knochen abgezehrter Mahler‘scher Tonfall, extrem etwa in der letzten, mit Rossini- und Wagner-Zitaten angereicherten 15. Symphonie (1971), die vor bitterer Ironie trieft. Hinzu treten der Geniestreich der unbekümmerten Ersten Symphonie des 20-Jährigen und die monumentale Siebente, die „Leningrader“: Begonnen in der im Zweiten Weltkrieg von der Deutschen Wehrmacht jahrelang belagerten Stadt und damals als klar patriotisches Symbol unbeugsamen Widerstands verstanden, bezieht das Werk nicht nur gegen die äußere Bedrohung Stellung, sondern auch gegen die Diktatur.

Walter Weidringer

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