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Passion: Das meint in der Musik zunächst den Bericht von Leiden und Tod Jesu. Aber wäre irgendeine Kunst ohne Passion denkbar, ohne brennende Leidenschaft? Leiden schafft vielerlei. Es kann Ziel – oder Mittel zum Zweck – einer theologisch verstandenen Erlösung sein, einer allgemein spirituellen Überwindung, einer Entgrenzung. Leiden kann auch schöpferische Kräfte mobilisieren, kann Ausgangspunkt für neue künstlerische Taten werden. 

Die Ouverture spirituelle versammelt diesmal Werke, die das Erduldete fühlbar machen, das Durchlebte, Durchlittene, das obsessiv Verhandelte. Manches fordert sogar von den Ausführenden extreme, oft dem Leiden nahe Versenkung – und verschont auch das Publikum nicht mit ungeahnten Erfahrungen auf klingenden Kreuzwegen. Wie schon von der griechischen Tragödie intendiert, mögen auch hier Jammer und Schaudern zur Katharsis, zur seelischen Reinigung führen. 

Pendereckis monumentale Lukaspassion macht den Anfang. Sie schlägt Brücken in die Renaissance, zu Finstermetten der Karwoche; ins Barock, zu Biber und zu Bachs h-Moll-Messe; in die Klassik, zu Mozart und zu Beethovens Christus am Ölberge; in die Romantik, zu Liszts rätselhaftem Spätwerk Via crucis. Und ins 20. Jahrhundert – zu Galina Ustwolskaja, in deren Musik Leiden und Leidenschaft exemplarisch zusammenfallen. Bedeutende Werke der Filmgeschichte, wie Pier Paolo Pasolinis Il Vangelo secondo Matteo, spiegeln das Thema auf ihre Weise. Alessandro Stradellas San Giovanni Battista bildet wiederum zu Strauss’ Salome ein barockes Gegenstück. Der letzte Abend bündelt nochmals alle Passionen – mit Bernd Alois Zimmermanns Trompetenkonzert Nobody knows de trouble I see, das gegen Rassismus aufbegehrt, und Mahlers Zweiter, der „Auferstehungssymphonie“: „Sterben werd’ ich, um zu leben!“

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