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2008

„Denn stark wie die Liebe ist der Tod“ 

unter diesem Motto spürten die Salzburger Festspiele 2008 in Oper, Schauspiel und Konzert dem Verhältnis von Liebe und Tod nach.
Und mit der Programmierung dieser Saison gelang es, Gesamteinnahme von € 25,100.000 einzuspielen und damit einen weiteren finanziellen Rekord – und nach dem Mozartjahr 2006 die höchsten Einnahmen der Festspielgeschichte – zu erzielen. In über 200 Veranstaltungen, für die es so viel Beifall gab. – Auch Buhs waren zu hören, aber die sind die Würze des Erfolges. 

Woran denken wir zurück? An Claus Guths Wald von Don Giovanni, in dem sich die Liebeshungrigen wie verzweifelt suchten? Und an dessen Ende ein jämmerlicher Tod steht? An einen jungen Otello und seinen meisterhaften Dirigenten Riccardo Muti? An den Romeo Villazón und die Julia Machaidze, die von Yannick Nézet-Séguin angefeuert das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen? An den Bartók-Abend, den Peter Eötvös grandios dirigierte, den der deutsche Maler Daniel Richter ingeniös ausstattete und Johan Simons klug und konzentriert inszenierte? An die Zauberflöte von Appel, Audi und Muti? Oder an die Rusalka mit unseren Gästen aus Cleveland, bestechend dirigiert von Franz Welser-Möst; in welche Märchenwelt eigener Art haben Jossi Wieler und Sergio Morabito uns geführt? Und zu guter Letzt welch furioses Finale mit Mnozil Brass und ihrem himmlischen Blödsinn, die Oper von Irmingard.
Nicht alles gelang gleichermaßen, aber wie könnte das auch sein. Unvergesslich das Abschiedskonzert von Alfred Brendel, unvergesslich Pollinis Kunst. Und das Brahms-Requiem mit den Wiener Philharmonikern, dem Staatsopernchor und Riccardo Muti, und viele andere unvergleichliche Konzerte.
Dicht besiedelt wurde der Kontinent Sciarrino, im Mittelpunkt Luci mie traditrici, von Rebecca Horn behutsam in Szene gesetzt. So kam dieses wichtige Werk nun auch nach Salzburg. Nach Schumann gab es dieses Jahr erfolgreich die Schubert-Szenen. Und nach dem berührenden Besuch des Divan Orchestra von Daniel Barenboim konnten wir heuer das einzigartige Projekt des Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela bewundern.
Schräge Räuber von Nicolas Stemann tobten über die Perner-Insel, eine stille Harper Regan mühte sich durch ihr kleines Leben. Andrea Breth blätterte Dostojewskijs furiosen Roman Verbrechen und Strafe brillant auf. Die Needcompany zeigte ihre Trilogie, und Vanessa Redgraves Monolog The Year of Magical Thinking rührte viele von uns zu Tränen. Pamuk und Dinev waren kluge Dichter zu Gast.
Und die Jugend! Der Kinderchor, die jungen Sänger und Regisseure, die Musik-Camps, die Kinderkonzerte. Diskussionen, Gespräche und noch so viel mehr, schöne Abende und Begegnungen und auch fröhliche Feste und Tausende auf dem Kapitelplatz, die unsere Aufführungen auf großen Leinwänden miterleben konnten.
Alles dies fügte sich zu einem wunderbaren Bild der Salzburger Festspiele, das so viele unserer Zuschauer begeistert hat.

Jürgen Flimm
Intendant der Salzburger Festspiele

Details zu den einzelnen Jahren:

2007, 2008, 2009, 2010