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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Liebes Publikum!

9 NOV 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  13:50 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Cy Twombly · Fifty Days at Iliam, Part V: The Fire That Consumes All Before It, 1978 · Philadelphia Museum of Art · Courtesy: Archives Nicola Del Roscio © Cy Twombly Foundation, 2017
Tausend Dank an Sie. Durch Ihr Interesse, Ihr Mitdenken und Ihre Begeisterungsfähigkeit konnten wir unsere hochgesteckten Erwartungen erfüllen und die Salzburger Festspiele 2017 zu einem Epizentrum des Besonderen machen. „Denn nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum müssen die Besten sein, wenn das vollkommene Wunder entstehen soll, dessen das Theater an glücklichen Abenden fähig ist.“ — Treffender als Gründervater Max Reinhardt kann man Ihre wichtige Rolle als Publikum für das Gelingen des Festspiels nicht formulieren!

Ihr positives Echo, Ihre hör- und sichtbare Freude an der Herausforderung sind uns Auftrag, auch im Programm 2018 den großen Menschheitsfragen nachzugehen. Ausgehend von Friedrich Schillers Reflexionen „Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen“ wollen wir der Bedeutung der Kunst, der Kraft der Dichtung und der Macht der Musik nachspüren.

Seit der antiken Tragödie sind nicht nur das Schöne und Erhabene Gegenstand der Kunst. Auch das Abgründige und Obsessive ziehen uns in der Ästhetisierung durch die künstlerische Darstellung in ihren Bann. Die Kunst kennt keine Moral. Sie vermag es, das Tragische in wortreiche Poesie und tönende Raserei zu verwandeln. Gerade in der Tragödie manifestiert sich die Größe des Menschen — und seine Fallhöhe. „Ungeheuer ist viel und ungeheurer nichts als der Mensch.“ (Sophokles, Antigone

Es sind die Werke der Passion, der Leidenschaft und der Ekstase, die das Programm der Salzburger Festspiele 2018 prägen. 
Hineinhören und hineindenken wollen wir uns auch diesmal wieder mit der Ouverture spirituelle. An den Anfang setzen wir die epochale Lukaspassion von Krzysztof Penderecki, eine der ergreifendsten Darstellungen der Leidensgeschichte Jesu.

In Monteverdis letzter Oper, L’incoronazione di Poppea, werden der Machthunger der Poppaea mit der Besessenheit des Nero, werden Gewalt und Erotik kunstvoll verwoben. Aus den Bakchen des Euripides schöpfte Hans Werner Henze die Inspiration für seine Oper The Bassarids, ein Triumph des Rausches über die Vernunft. Und die Leidenschaft der Salome in Richard Strauss’ gleichnamiger Oper entzündet sich an dem von ekstatischer Frömmigkeit beseelten Jochanaan. Hermann, der junge Offizier in Tschaikowskis Pique Dame, gerät über das Geheimnis von drei Karten außer sich und verliert sich im Wahn der Liebe und des Spiels.
Im Schauspiel ist der namenlose Held in Knut Hamsuns Hunger ein Getriebener seiner Obsessionen, genauso wie die Hauptfigur Dovele in David Grossmans dramatisiertem Roman.
Am deutlichsten stellt wohl Heinrich von Kleist in seinem Trauerspiel Penthesilea die Frage, ob denn der Mensch Herr seiner Sinne sei. In der ältesten uns erhaltenen Tragödie, Die Perser, zeigt Aischylos, wie Anmaßung und Selbstüberschätzung den Menschen in den Untergang führen.

Nur auf den ersten Blick scheint die Zauberflöte in diesem Kontext fremd zu sein. Tatsächlich funktioniert Mozarts Oper aber im Zusammenhang mit all diesen Stücken wie eine Art Mikroskop. Oder ist sie vielleicht ein universeller, lichter, spielerischer Diskurs über all diese Themen, wie das nur Mozart im Zeitalter der Aufklärung in seiner Musik verwirklichen konnte?

Mit diesem Programmbuch wollen wir Ihre Neugierde wecken, Ihre Passion für die Festspiele entfachen, damit auch 2018 ein ganz besonderes Festspiel wird.

Helga Rabl-Stadler 

Markus Hinterhäuser 

Lukas Crepaz

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