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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

TerrassenTalk „Rose Bernd“

17 JUL 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  15:10 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Helga Rabl-Stadler, Karin Henkel, Lina Beckmann, Gregor Bloéb, Bettina Hering © SF / Anne Zeuner
Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler freute sich in ihrer Begrüßung zum TerrassenTalk, dass endlich ein Stück Gerhart Hauptmanns auch bei den Salzburger Festspielen zu sehen und zu hören sei. Eigentlich wäre zu dessen 70. Geburtstag im Jahre 1932 eine einwöchige Hommage an diesen großen deutschen Dramatiker geplant gewesen. Aber aus vielerlei Gründen, unter anderem weil Max Reinhardt die Uraufführung von dessen jüngstem Stück Vor Sonnuntergang in Berlin machen wollte, platzte das schöne Projekt.

Bereits das Lesen des Stückes habe ihr wehgetan, sagt Karin Henkel auf die Frage, warum sie Rose Bernd inszenieren wolle. „Ich habe viel nachgedacht über diese Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der Menschen zu Bestien werden, in der sie nur darum kämpfen, ihre eigene Haut zu retten, ohne an die Mitmenschen zu denken“, sagt die Regisseurin. Das habe sie so verunsichert und zum Nachdenken angeregt, dass sie die Geschichte unbedingt erzählen wollte. Auch die Sprache fasziniere sie, der schlesische Dialekt, in dem das Stück geschrieben ist, sie behandle ihn wie eine Kunstsprache. „Die Sprache ist so roh, theatral und archaisch – und die Sprache ändert sich, je nachdem, mit wem Rose Bernd gerade spricht“, sagt Karin Henkel. Gerade die Rohheit der Sprache mache die Emotionalität der Figuren aus, mache die Figuren so lebendig. Für die Zuschauer stelle sich der ganze Plot dar wie ein Krimi. „Man hechelt ständig hinterher und lauert auf die nächste Szene, man denkt mit“, sagt die Regisseurin.

Wie es für einen Tiroler nun sei, Schlesisch zu sprechen, möchte Schauspielleiterin Bettina Hering wissen, die den Talk moderiert. Gregor Bloéb, der den Arthur Streckmann spielt, antwortet lachend, dass er bereits am Wort „schlesisch“ gescheitert sei. „Es ist wie eine Kunstsprache zu behandeln und ich muss es silbenweise wie eine Fremdsprache lernen“, sagt er. „Aber die lange Probenzeit hilft uns natürlich.“ Ob es für ihn herausfordernd sei, eine Figur wie den Streckmann darzustellen, fragt Bettina Hering. „Es ist nicht einfach. – Streckmann ist nicht nur ein einfach gestrickter Triebtäter, er ist ein Verletzter. Er ist sehr vernarrt in Rose Bernd, hat sie aber nie bekommen können, hat immer nur auf Granit gebissen“, sagt Gregor Bloéb. Diesen Hass auf die Bühne zu bringen, das sei eine schöne schauspielerische Herausforderung.

Rose Bernd sei eine Frau in voller Blüte, sagt Bettina Hering. – „Was treibt sie nun dazu ihr Kind umzubringen? Sind es die äußeren Umstände, an denen sie zerbricht?“ Schauspielerin Lina Beckmann, die die Rose Bernd spielt, empfindet es ganz klar so. Schon zu Beginn des Stückes komme Rose Bernd in eine Notsituation, die immer auswegloser werde. „Ich spüre beim Spielen, dass die Luft immer dünner wird“, sagt sie. Sie fühle sich in die Enge getrieben. Nach und nach schließt sich jede Tür und es bleibt kein anderer Ausweg mehr, als das eigene Kind zu töten.

Auf der Perner-Insel zu spielen, gefalle ihr sehr gut, sagt Lina Beckmann, die bei den Festspielen 2011 und 2012 als Gute Werke im Jedermann zu sehen war. „Damals war alles ziemlich trubelig“, sagt sie. Auf der Perner-Insel könne man konzentrierter arbeiten und sei ein bisschen weg vom Trubel. Auch Regisseurin Karin Henkel ist begeistert von dem Spielort. „Es ist dort vor allem ein wunderbares Miteinander möglich“, sagt sie. „Die Wege sind kurz und man kann intensiver und konzentrierter arbeiten, auch mit den Gewerken.“ Dieser sehr nüchterne, kühle Raum der Perner-Insel komme ihrer Inszenierung sehr entgegen, sagt sie Regisseurin. Das brutale Bühnenbild passe besonders gut dorthin.

Ihre Inszenierung bringe keinen Naturalismus auf die Bühne, sagt Karin Henkel. Hauptmann selbst habe es ja eher als Beleidigung aufgefasst, wenn er als Naturalist bezeichnet wurde. „Ich finde er hat Rose Bernd sehr symbolisch und überhaupt nicht kleinteilig geschrieben“, sagt die Regisseurin. Er habe eher in großen Entwürfen und großen Gedanken geschrieben. So sei etwa das Haus der Familie Flamm schon in Einzelheiten beschrieben, es hängen etwa tote Tiere an der Wand, neben dem Bild eines verstorbenen Kindes. „Die Aussage ist sehr symbolisch und sehr klar. Es geht um den Tod.“ Sie werde viel mit Zeichen auf der Bühne umgehen, aber nicht mit den konkreten Räumlichkeiten an sich. Und auch für die Darstellung der Gesellschaft hat sich die Regisseurin einen besonderen Kniff einfallen lassen. In einer Szene etwa treten verschiedene kleine Rollen auf, die Arbeiter darstellen. Henkel fasst diese kleinen Rollen zusammen in einem Männer-Chor und lässt ihn im Dialekt zusammensprechen. „Dadurch bekommen diese Männer eine ganz andere Kraft“, sagt Karin Henkel. „Sie haben außerdem den stärksten Dialekt von allen.“

Podcast TerrassenTalk Rose Bernd 2017

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