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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Pressekonferenz „Jedermann“

30 JUN 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  09:14 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Stefanie Reinsperger, Tobias Moretti © SF / Anne Zeuner
Nein, auf dem Domplatz ist er heuer noch nicht gewesen, verrät Jedermann-Darsteller Tobias Moretti. Das hebe er sich für einen ganz besonderen, einen intimen Moment auf. „Ich möchte allein sein mit dem Domplatz“ – vielleicht gehe ich in der Nacht hin, sagt der Schauspieler. Viel Zeit hat er nicht mehr, denn die Proben sind im vollen Gange. Drei Proben-Wochen liegen bereits hinter ihm und seinen Schauspielkolleginnen und Schauspielkollegen und drei Wochen haben sie noch vor sich bis zur Premiere.

Auf dem Domplatz werden bereits einige Tonnen Stahl für Bühne und Tribüne verbaut, wie Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler verrät. Sie läutet die Pressekonferenz mit einem Zitat von Max Reinhardt aus dem Jahr 1935 ein: „Da unten sitzen wirklich Tausende von Menschen, die aus aller Welt, weit über Land und Meer hergekommen sind und Jahr für Jahr herkommen, um dieses alte Spiel (Jedermann) zu sehen. … Aber mit dem Jedermann ist jedenfalls der alte und heute schon an vielen Orten in die Tat umgesetzte Gedanke der Festspiele siegreich geblieben. Er hat hier ein tausendfaches, von Jahr zu Jahr wachsendes Echo gefunden, und der Jedermann, der als Auftakt geplant war, ist zum Mittelpunkt und Symbol der Festspiele geworden.“

Befruchtend, gut und von Neugier beseelt – so beschreibt Tobias Moretti die bisherigen drei Probenwochen für die Neuinszenierung des Jedermann. Im kleinen Rahmen – sprich auf der Probebühne – funktioniere das, was da im Vorhinein „herumgekopft“ wurde bereits sehr gut, sagt der Schauspieler. Nun sei er gespannt, ob das, was in diesem intimen Rahmen zwischen den Figuren geschaffen werden konnte, sich auch am Domplatz umsetzen lasse und vielleicht sogar potenziert werde.

Ob er ein Motto für die Proben benennen könne, möchte Schauspielleiterin Bettina Hering wissen, die die Moderation der Pressekonferenz übernimmt. „Nackt und bloß“, antwortet Regisseur Michael Sturminger, er empfinde dieses großartige Ensemble als Geschenk. Alleine Edith Clever in der Rolle der Mutter des Jedermann zu erleben, das sei den Besuch des Stückes wert. „Ich bin sehr guten Mutes, dass uns der Sprung auf den Domplatz gelingen wird“, sagt Michael Sturminger. „Der Dom, das ist ein großartiges Ungeheuer für mich. Die Fassade ist Architektur gewordene Rhetorik und für mich eine faszinierende Vorgabe“, sagt der Regisseur. Der Domplatz sei für ihn übersetzte Macht, Schönheit und Transzendenz – „Alles Themen, die im Jedermann zentral sind.“ Wenn er vor dem Domplatz stehe und nach oben schaue, werde ihm schon ein wenig schwindelig. Wie winzig klein die Menschen vor dieser Kulisse wirken. Umso faszinierender finde er es, dass im Zentrum des Stückes ein einziger Mann stehe, der sein Schicksal im Spiegel dieser unglaublichen Größe vertreten muss.

Es ist die größte kleinste Rolle der Welt, die Stefanie Reinsperger im Festspielsommer spielen wird und den Journalisten brennt eine  altbekannte Frage unter den Nägeln: Wie wird wohl ihr Kleid aussehen? Die Antwort der Schauspielerin ist ein bezauberndes Lächeln und Schweigen. Natürlich dürfe sie noch nichts verraten, nur so viel: „Ich finde es ganz toll“, sagt sie. Die Buhlschaft sei mehr als nur die Tradition des Klischees der bürgerlichen Vorstellung von Sinnlichkeit, da sind sich Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger einig. „Ich verstehe manchmal gar nicht, wo dieses Denken her kommt. Da ist so viel zwischen den beiden – sonst würde er sie nicht ernsthaft fragen, ob sie mit ihm in den Tod kommt. Gerade das Spiel zwischen ihr als Freigeist, die nicht abhängig ist von einem Mann, aber auch die Gemeinsamkeiten – das macht für mich den Reiz, die Erotik und die Anziehungskraft aus“, sagt Stefanie Reinsperger. Sie schaue bei der Arbeit mit Freude und Hoffnung auf ihre Kollegen. „Wir haben so ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut, dass man besonders befreit auf die Suche gehen kann“, sagt die Schauspielerin.

Die Zuschauer dürfen sich auf eine zeitgenössische Inszenierung freuen, so viel verrät Regisseur Michael Sturminger. Und es werde einen Vorhang geben, den tatsächlich noch kein Regisseur vor ihm auf dem Domplatz zum Einsatz gebracht habe. Erst im April wurde bekannt, dass er die Regie übernehmen werde und es eine Neuinszenierung geben wird. Er selbst empfinde das als große Freiheit und Chance. Auch Tobias Moretti ergänzt: „Es war wichtig, dass ein Schnitt gemacht wurde. Man konnte sich mit den beiden Regisseuren Julian Crouch und Brian Mertes nicht auf eine Neuinterpretation einigen, was aber bereits lange vorher als Bedingung festgelegt worden war. Gerade erst habe ich einen Brief von Julian Crouch bekommen, dass er sich auf die neue Inszenierung freue.“ Man sei mit dieser Lösung mit Michael Sturminger nicht nur irgendwie aus dieser Situation herausgekommen, fährt er weiter fort, man habe durch dieses schicksalhafte Hineinschmeißen sogar eine Situation kreieren können, die alle glücklich macht.

Hören Sie hier den TerrassenTalk mit Stefanie Reinsperger, Tobias Moretti und Michael Sturminger vom 29.06.2017.

Mehr Informationen zum „Jedermann“ finden Sie hier. 

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