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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Ferdinand von Schirach ist Festredner 2017

13 MÄR 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  15:29 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Ferdinand von Schirach © Privat; Foto: Michael Mann
Markus Hinterhäuser hat für den Beginn seiner Intendanz ein Programm ersonnen, das alle Facetten der Macht widerspiegelt. Die Macht der Vergebung oder die Ohnmacht des Verzeihens in der Eröffnungsoper von Wolfgang A. Mozart La clemenza di Tito. Die politische Macht und die Ohnmacht der Besiegten in Verdis Aida. Das blutige Aufbegehren einer starken Frau gegen die Unterdrückung des Systems in Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch. Der Aufschrei der unterdrückten Kreatur gegen den Machtmissbrauch der Obrigkeit in Alban Bergs Wozzeck. Und das niederschmetternde Fazit von Gewalt und Verblendung durch die Macht in Aribert Reimanns Lear.

Darf ein Leben gegen das Leben anderer abgewogen werden? Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Nach welchen ethischen Koordinaten richten wir unser Leben und Handeln ein? – Das sind die drängenden Fragen in einer Zeit, da die Welt aus den Fugen geraten zu sein scheint.

„Ferdinand von Schirach führt sein Publikum an diese existenziellen Fragen. Mit der Denkschärfe eines Strafverteidigers, mit der Argumentationsstärke eines großen Erzählers. Seine klare demokratische und rechtsstaatliche Haltung gibt Orientierung, seine überzeugend formulierten Gedanken machen ihn zum idealen Festspielredner 2017“, sind Festspielpräsidenten Helga Rabl-Stadler und Intendant Markus Hinterhäuser überzeugt.

Immer wieder plädiert Schirach für den anstrengenden und langwierigen „Ausgleich von Interessen“, den nur demokratische Abläufe garantieren können. Der Macht müsse das Recht entgegengesetzt werden, sagt er. Die Prozessordnungen der Rechtsstaaten seien eine der bedeutendsten Errungenschaften der Aufklärung, nur sie könnten unsere Wut kanalisieren, ihre Regeln würden unsere schwankenden Gefühle ordnen, Zorn und Rache lehnten sie als Ratgeber ab. Sie würden den Menschen achten und am Ende seien nur sie es, die uns schützen könnten. Und Ferdinand von Schirach beharrt darauf, dass dem Gesetz auch dann Genüge getan werden muss, wenn im Einzelfall Unerträgliches dabei herauskommen könnte.

„Der Spiegel“ nannte Ferdinand von Schirach einen „großartigen Erzähler“, die „New York Times“ einen „außergewöhnlichen Stilisten“, der britische „Independent“ verglich ihn mit Kafka und Kleist, der „Daily Telegraph“ schrieb, er sei „eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur“. Die Erzählungsbände Verbrechen und Schuld und die Romane Der Fall Collini und Tabu wurden zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern. Sie erschienen bisher in mehr als vierzig Ländern. Terror, sein jüngstes Werk, ist das „erfolgreichste Theaterstück der Gegenwart“ („Die deutsche Bühne“). Ferdinand von Schirach wurde vielfach mit internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Er lebt in Berlin.

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