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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Abschluss-Bericht der Salzburger Festspiele: Die Oper

31 AUG 2016

by FESTSPIELKIEBITZ  10:18 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Faust 2016: Philharmonia Chor Wien (Foto: SF/Monika Rittershaus)
Die Oper

Eröffnet wurden die Festspiele eine Woche später, am Donnerstag, 28. Juli 2016, mit der Uraufführung des britischen Komponisten Thomas Adès. The Exterminating Angel hat Luis Buñuels surrealistischen Film Der Würgeengel als Vorbild. Adès selbst übernahm auch die musikalische Leitung des Stückes und wurde vom Publikum mit Standing Ovations zur Premiere bedacht. Die Regie übernahm Tom Cairns, der auch das Libretto eingerichtet hatte. Es spielte das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Es sangen u.a. Anne Sofie von Otter, Charles Workman, Frédéric Antoun, Thomas Allen und John Tomlinson. Nach Salzburg wird die Oper in London, Kopenhagen und 2018 in New York gezeigt werden. Das Stück hat die – für eine zeitgenössische Oper – enorm hohe Auslastungszahl von 91 Prozent erreicht.

Insgesamt gab es 46 Opern-Vorstellungen zu erleben: Drei Neuinszenierungen, zwei Wiederaufnahmen, eine Neueinstudierung, eine Übernahme von den Salzburger Pfingstfestspielen und drei konzertante Opern umfasste das Opernprogramm 2016.

In diesem Festspielsommer wurden im Vergleich zum Vorjahr 12 000 Opernkarten mehr angeboten, dies ist ein Rekordwert, der in den letzten Jahren nur im Mozartjahr 2006 übertroffen wurde.

Mit Die Liebe der Danae wurde eine Oper aufgeführt, die Teil der Festspielgeschichte ist, 1944 sollte sie in Salzburg uraufgeführt werden – wegen der Geschehnisse um den 20. Juli 1944 wurden die Festspiele aber von den Nationalsozialisten abgesagt, lediglich die öffentliche Generalprobe der Danae konnte stattfinden. Erst 1952 kam es zur tatsächlichen Uraufführung. Alvis Hermanis inszenierte das Stück märchenhaft und vom Jugendstil inspiriert. Publikum und Kritiker waren sich einig, dass die Oper mit Dirigent Franz Welser-Möst, und den Sängern Krassimira Stoyanova, Tomasz Konieczny und Gerhard Siegel in einer großartigen Besetzung gegeben wurde. 10 659 Besucher haben die Liebe der Danae gesehen. Das sind über 50 Prozent mehr als 2002, als die Oper zuletzt auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele stand.

Zum ersten Mal auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele stand dagegen Charles Gounods Oper Faust, die am 10. August Premiere hatte. Regie und Ausstattung oblagen Reinhard von der Thannen. Piotr Beczala wurde als Faust gefeiert, ebenso Ildar Abrazakov als Méphistophélès und Maria Agresta als Marguerite. Alejo Pérez dirigierte die Wiener Philharmoniker im Großen Festspielhaus.

Der Mozart / Da Ponte-Zyklus wurde 2015 von Regisseur Sven-Eric Bechtolf mit Le nozze di Figaro abgeschlossen. In diesem Festspielsommer wurden alle drei Produktionen Le nozze di Figaro (2015), Don Giovanni (2014) und Così fan tutte (2013) wieder aufgenommen, letztere Oper in szenischer Neueinstudierung in der Felsenreitschule. Ottavio Dantone dirigierte das Mozarteumorchester Salzburg. Julia Kleiter begeisterte als Fiordiligi, Angela Brower als Dorabella. Mauro Peter übernahm die Rolle des Ferrando und Alessio Arduini sang den Guglielmo. Martina Janková und Michael Volle trieben das Verwirrspiel als Despina und Don Alfonso in der Felsenreitschule voran.

Die musikalische Leitung des Don Giovanni hatte Alain Altinoglu inne, der die Wiener Philharmoniker dirigierte. Ildebrando D’Arcangelo sang wie 2014 den Don Giovanni, Luca Pisaroni war wieder in der Rolle des Leporello zu erleben. Donna Anna wurde von Carmela Remigio  gesungen, in der Rolle der Donna Elvira war Layla Claire zu erleben. Paolo Fanale sang den Don Ottavio, Alain Coulombe die Partie des Commendatore. Zerlina wurde von Valentina Nafornita gesungen, die Rolle des Masetto übernahmen Alessio Arduini beziehungsweise Iuri Samoilov. Mit Don Giovanni konnte eine Auslastungszahl von 96 Prozent erreicht werden.

Dan Ettinger leitete bei Le nozze di Figaro wie 2015 die Wiener Philharmoniker. In der Rolle des Grafenpaares Almaviva waren wie im vergangenen Jahr Luca Pisaroni und Anett Fritsch, als Cherubino Margarita Gritskova zu erleben, das Dienerpaar Susanna und Figaro sangen Anna Prohaska und Adam Plachetka.

Alle drei Da Ponte-Opern wurden vom Publikum umjubelt und erreichten einen Auslastungswert von 94 Prozent. Über 25 700 Besucher sahen die Mozart-Opern.

Schon lange vor der Wiederaufnahme war die West Side Story ausverkauft, die bei den Salzburger Pfingstfestspielen ihre Premiere gefeiert hatte. Cecilia Bartoli in der Rolle der Maria und Norman Reinhardt als ihr Tony überzeugten das Publikum. Für die Inszenierung von Philip Wm. McKinley wurden 60 Tonnen Stahl und Plexiglas verbaut, um die Felsenreitschule in einen Straßenzug von New York zu verwandeln. Gustavo Dudamel und das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela sorgten nicht nur für leidenschaftlich temperamentvolle südamerikanische Rhythmen, sondern begleitete auch die Duette von Tony und Maria mit gefühlvoller Zartheit.

Anna Netrebko wurde in den konzertanten Aufführungen von Manon Lescaut gefeiert, nicht minder wurde ihr Ehemann Yusif Eyvazov bejubelt, der bei seinem Debüt bei den Salzburger Festspielen Kritiker und Publikum gleichermaßen überzeugen konnte. Armando Piña war in der Rolle des Lescaut zu sehen, Carlos Chausson sang den Geronte de Ravoir und Benjamin Bernheim war in der Rolle des Edmondo zu erleben. Marco Armiliato dirigierte das Münchner Rundfunkorchester.

Nach der Aufführung am 7. August fand eine Gala-Soiree zu Ehren von Anna Netrebko in der Salzburger Residenz statt. Der Reinerlös von 107 618 Euro fließt in die Jugendarbeit der Salzburger Festspiele.


Einen ebenfalls umjubelten Auftritt hatte Plácido Domingo mit der konzertanten Aufführung von Jules Massenets Thaïs am 16. August. Mit der Partie des Athanaël riss er das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin, an seiner Seite überzeugten Marina Rebeka als Thaïs und Benjamin Bernheim als Nicias. Patrick Fournillier dirigierte das Münchner Rundfunkorchester.

In einer Opernrarität glänzte Tenor Juan Diego Flórez: Il templario wurde 1840 vom Gründer der Wiener Philharmoniker Otto Nicolai geschrieben und geriet trotz seines damals großen Erfolges in Vergessenheit. An der Seite von Flórez sang Clémentine Margaine die Rebecca. Andrés Orozco-Estrada leitete die Wiener Philharmoniker. 

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