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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Bis musikalische Funken fliegen - das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam

26 AUG 2016

by FESTSPIELKIEBITZ  15:11 h;
veröffentlicht in: Konzert

Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam (Foto: Anne Dokter)
Unter ihrem neuen Chefdirigenten Daniele Gatti wird das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam am 30. August 2016 im Großen Festspielhaus auftreten. Mit dem Zauber von Debussys Jeux und Strawinskys pittoreskem Petruschka erarbeitet Daniele Gatti zwei epochale Ballettkompositionen der klassischen Moderne. Solistin ist Sol Gabetta, Violoncello.

Michael Gieler ist seit 1993 Bratschist des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam. Mit ihm haben wir über exotische Auftrittsorte, über den neuen Chefdirigenten Daniele Gatti und über seine Lieblingsorte in Salzburg gesprochen.

Welches war der exotischste bzw. speziellste Ort, an dem Sie je aufgetreten sind?
Mit dem Orchester haben wir natürlich die ganze Welt bereist, allein im Jahr 2013 haben wir alle fünf Kontinente besucht. Meistens haben wir in den Metropolen und großen Städten gespielt. Mein Lieblingssaal ist die Suntory Hall in Tokyo, weil das der einzige Saal ist, in dem wirklich alles gut klingt.
Das spannendste Konzert, das ich je gespielt habe, war im Großen Festspielhaus in Salzburg. Ich war damals Solobratschist im Mozarteum-Orchester und spielte die Sonata per la Grand Viola von Paganini als Solist.

Können Sie die Klangqualität Ihres Orchesters beschreiben? Was macht den Klang Ihres Orchesters besonders?
Der Klang unseres Orchesters wird natürlich sehr geprägt durch unseren Saal zu Hause, das Concertgebouw in Amsterdam. Das ist sicherlich einer der schönsten Säle der Welt – er ist aber hauptsächlich für das spätromantische Repertoire geeignet. Das ist unser Kernrepertoire, das spielen wir am besten. Es ist meistens ein weicher und samtiger Klang, selten zu grob oder aggressiv. So entspannt wie die Kollegen miteinander umgehen, ist auch der Klang.
Die wenigen  Chefdirigenten, die unser Orchester hatte, so wie Haitink oder Chailly, haben uns sicher ihren Stempel aufgedrückt, aber für das musikalische Bewusstsein war für uns und auch für mich persönlich Harnoncourt sehr wichtig. Es ist toll, dass wir durch die jahrelange Zusammenarbeit mit ihm Mozart und Bach anders spielen als Brahms und Strauss. Diese Flexibilität im Spiel schätze ich sehr.

Charakterisieren Sie doch bitte kurz Ihren Dirigenten!
Daniele Gatti ist ein sehr virtuoser Dirigent, wirklich brillant. Er kann alles machen und alles zeigen, was er will. Seine Interpretationen sind außerordentlich. Ein durchschnittliches Konzert wird man mit ihm selten erleben. Wenn er dirigiert, fliegen die Funken. Wenn jemand so radikal ist wie er, wird es natürlich immer auch Leute geben, die einer anderen Meinung sind, aber ich finde es gut, wenn man in der Kunst keine Kompromisse macht.

Wenn Sie sich das Konzert-Programm der Salzburger Festspiele 2016 anschauen, in welches Konzert wären Sie gern gegangen?
Wo soll man da denn anfangen? Wenn ich mich auf drei Aufführungen beschränken müsste, hätte ich mir folgende Dinge angesehen:
The Exterminating Angel, weil ich Adès sehr schätze und ich Oper liebe.
Riccardo Muti mit den Wiener Philharmonikern hätte ich ebenso gerne gesehen… man will ja schließlich wissen, was die Konkurrenz spielt!
Der Ignorant und die Wahnsinnige
von Thomas Bernhard ist zwar kein Konzert, aber in meinen Augen ein absolutes Muss.

Gibt es ein bestimmtes Ritual vor einem Auftritt, für Sie persönlich oder für das gesamte Orchester? Oder haben Sie vielleicht immer einen Glücksbringer mit auf der Bühne?
Nicht wirklich, außer eine merkwürdige Gewohnheit, die mir bei keinem anderen Orchester aufgefallen ist. Wenn alle sitzen, dann kommt unser Orchesterinspektor(in) höchstpersönlich aufs Podium, um zu schauen, ob alle da sind und ob der Dirigent genug Platz hat, um einfach zum Podest zu kommen. Ich finde das lustig.

Wo ist Ihr Lieblingsort in Salzburg?
Ich habe zwei Jahre in Salzburg gewohnt und im Mozarteum-Orchester gespielt. Ich freue mich jedes Mal riesig, wieder zurück zu kommen. Meine Tochter ist in Salzburg geboren. Ich mag die Stadt, vor allem im Winter. Ich werde nie vergessen, wie ich durch den Schnee zum Probehaus des Orchesters im Nonntal geradelt bin. Die Festung, Leopoldskron, der Untersberg... Hier haben Sie dem Falschen diese Frage gestellt! Ich kann mich beim besten Willen nicht entscheiden.

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