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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

„Il templario“ • TerrassenTalk mit Juan Diego Flórez und Clemens Hellsberg

24 AUG 2016

by FESTSPIELKIEBITZ  15:15 h;
veröffentlicht in: Oper

Juan Diego Flórez, Clemens Hellsberg (Foto: SF/Anne Zeuner)
Es sei einer der glücklichsten Momente seines Berufslebens gewesen, sagt Clemens Hellsberg. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Wiener Philharmoniker spricht von einer E-Mail, die er von Tenor Juan Diego Flórez bekam. Denn in dieser E-Mail bezeugte der Tenor Interesse daran die Oper Il templario von Otto Nicolai, dem Gründer der Wiener Philharmoniker aufzuführen. Nun ist Hellsberg nicht nur ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Wiener Philharmoniker, gleichzeitig ist er ein wahrer Experte, geht es um das Leben und Wirken von Otto Nicolai. „Es hat durchaus Gewicht, wenn solch ein großer Künstler wie Flórez sich für eine solch selten gespielte Oper einsetzt“, sagt Clemens Hellsberg.

Aber warum gerade diese fast in Vergessenheit geratene Oper ihn interessiere, fragt Wolfgang Schaufler. „Die Musik ist wunderschön“, sagt Juan Diego Flórez. „Die Oper klingt oft wie Belcanto, hat aber trotzdem viele sinfonische Elemente. Es enthält wahre Innovationen der damaligen Zeit! Ich finde die Oper hat oft sehr berührende Momente.“ Es reize ihn, Opern zu singen, die in Vergessenheit geraten sind. Schon oft habe er an verschiedenen Opernhäusern der Welt dazu angeregt, etwas Seltenes zu spielen. „Ich bin sehr glücklich, dass Clemens Hellsberg sofort begeistert war und es geschafft hat, dass wir diese Oper nun auf einer Plattform wie den Salzburger Festspielen präsentieren können“, sagt der Tenor.

Dabei war Il templario bei der Uraufführung im Jahr 1840 ein triumphaler Erfolg für Otto Nicolai. Umgehend wurde er daraufhin zum ersten Kapellmeister der Wiener Hofoper ernannt. „Ohne diese Oper würde es die Wiener Philharmoniker vielleicht heute gar nicht geben“, sagt Clemens Hellsberg. Die aus heutiger Sicht berühmteste Oper des in Königsberg geborenen Nicolai ist Die lustigen Weiber von Windsor, uraufgeführt 1849. „Dass er vor Verdi das Libretto von Nabucco angeboten bekam, zeigt wie berühmt Nicolai als Opernkomponist war“, sagt der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Wiener Philharmoniker. Nicolai habe Nabucco aber abgelehnt, der Stoff sei ihm zu blutig gewesen. Und nicht nur als guter Komponist sei Nicolai bekannt gewesen, er habe auch eine außergewöhnliche administrative Begabung gehabt. „Die Grundprinzipien der Wiener Philharmoniker haben sich in den 174 Jahren nie verändert“, sagt Clemens Hellsberg.

Bei dem Versuch die Geschichte der Oper zu erklären, kommt Juan Diego Flórez ein bisschen ins Lachen. „Ich denke man muss sich vorher ein bisschen in die Geschichte einlesen, wenn man nur das Libretto mitliest, versteht man wahrscheinlich nicht ganz, um was es geht“, sagt er. Aber im Grunde gehe es um zwei Liebesgeschichten – eine endet gut, eine schlecht. Und es gehe um das Vater-Sohn-Verhältnis. Obwohl das Stück in der Tradition der italianità geschrieben wurde, merke man in der Behandlung der Instrumente, dass ein Preuße die Oper geschrieben habe. Sein Tenor-Part sei sehr, sehr hoch. „Nicht so lang, aber wirklich hoch!“, sagt Juan Diego Flórez. „Eigentlich sind alle Rollen sehr hoch angelegt, wir stehen sozusagen alle auf unseren Zehenspitzen.“

Premiere von Otto Nicolais Il templario ist am 27. August, 15 Uhr im Großen Festspielhaus. 

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