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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Oper neu entdecken

17 AUG 2016

by FESTSPIELKIEBITZ  17:17 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Frank Gerdes, Luca Pisaroni, Helga Rabl-Stadler, Anett Fritsch, Sven-Eric Bechtolf, Hanno Plate-Andreini und Ernst Buchrucker (Foto: SF/Anne Zeuner)
Wieder einmal geht eine Idee von den Salzburger Festspielen aus: Die Aufzeichnung von Le nozze di Figaro wird im Herbst als erste Oper weltweit als Ultra-HD Blu-ray mit einer Bildauflösung von 4k erscheinen. Die Aufzeichnung in 4k-Qualität ermöglicht eine 4fach höhere Auflösung als bei einer gewöhnlichen Aufzeichnung. Sie beinhaltet außerdem einen digitalen Opernführer, der nicht nur den Inhalt des Stückes und die Handlung der Oper erklärt, sondern auch Zitate des Regisseurs zu den einzelnen Szenen zeigt. 

Mit dem Erscheinen von Le nozze di Figaro ist der DVD-Zyklus über die drei von Sven-Eric Bechtolf inszenierten Mozart/Da-Ponte-Opern nun komplett. Dieser Zyklus enthält alles, was es heute an technischen Entwicklungen gibt: Ist die Così fan tutte von 2013 noch eine übliche TV-Aufzeichnung, so bekommt der Zuschauer im Don Giovanni von 2014 außerdem parallel Einblicke in das Backstage-Geschehen.

Präsidentin Helga Rabl-Stadler moderierte die Pressekonferenz: „Ich freue mich, dass wir zusammen mit unserem langjährigen exklusiven Medienpartner Unitel ein Produkt entwickeln konnten, mit dem wir vielleicht auch Menschen erreichen, die nicht so opernaffin sind“, sagt die Festspielpräsidentin.

Sowohl für den Regisseur Sven-Eric Bechtolf als auch für die Künstler stellt es eine zusätzliche Belastung dar, wenn Kameras nicht nur vor der Bühne sondern auch hinter der Bühne aufgestellt sind. „Es ist eine große Herausforderung zu wissen, dass alles, was man auf und hinter der Bühne tut, bleibt. Bei normalen Aufführungen verfliegt ein nicht perfekt gesungener Ton schnell wieder, in der Aufnahme bleibt er aber für immer“, sagt Anett Fritsch, die die Contessa Almaviva in Le nozze di Figaro und in Don Giovanni aus 2014 die Donna Elvira singt. Auch ihr Sänger-Kollege Luca Pisaroni pflichtet ihr bei: „Ich muss ehrlich sein: Die Aufnahme ist ein enormer Stress für uns Sänger, wir haben ja nur eine Aufnahme, nicht wie im Film mehrere Takes“, sagt der Bass-Bariton, der den Conte Almaviva in Le nozze di Figaro und Leporello in Don Giovanni singt. Aber er sei auch sehr dankbar nun diese drei DVDs in den Händen halten zu dürfen und sich in diesen drei völlig verschiedenen Rollen zu sehen, sagt er. Besonders die Backstage-Aufnahmen möge er sehr. „Es wird dadurch gezeigt, was wir Sänger so alles tun, um auf der Bühne gut da zu stehen. Viele vermuten hinter den Sängern ja so eine Art Gottheit, die wir aber wirklich nicht sind. Auch wir sind nervös, gehen von der Bühne und ärgern uns über einen nicht so gelungenen Ton“, sagt er. Der Zuschauer sehe ja im Theater nur die Spitze des Eisberges. Mit der Aufnahme würde man ein ganzes Stück mehr vom Eisberg sehen. „Das Schöne für mich ist auch, dass die Oper ein anderes Publikum erreichen kann“, sagt Anett Fritsch. Menschen, die nicht nach Salzburg reisen wollen oder können, könnten so auch die Oper sehen.

Genau das bestätigt auch Frank Gerdes von ServusTV: „Besonders durch den digitalen Opernführer können wir ein neues Publikum ansprechen, denn er wendet sich nicht nur an Opern-Kenner und gibt ihnen neuen Input über die Oper, sondern er erklärt auch einem anderen opernfremden Publikum, worum es geht und hilft ihnen, die Oper zu entdecken“, sagt er. ServusTV hatte 2014 den Don Giovanni live im TV gezeigt und man konnte online zusätzlich die Backstage-Aufnahmen dazu schalten. Auf der DVD bzw. Blu-ray  kann man nun beides parallel sehen. „Nach dem großen Erfolg dieser Ausstrahlung haben wir überlegt, wie wir noch zusätzliche Informationen transportieren können und sind auf die Idee des digitalen Opernführers gekommen.“ Regisseur Sven-Eric Bechtolf stellte dafür sein Wissen zur Verfügung. Er sei dankbar für das passionierte Interesse der drei Partner EuroArts, Unitel und ServusTV, sagt er. Niemand habe ja gewusst, ob es überhaupt einen Markt für diese Novitäten gebe. Als Regisseur sei es natürlich belastend für ihn gewesen überall Kameras zu haben, er sei schließlich auch um das Wohlergehen der Künstler besorgt gewesen. Dennoch sei er glücklich nun diese Erinnerung dokumentieren zu können. Er freue sich schon darauf, diese DVDs seinen Enkelkindern zu zeigen, sagt er lachend.

Auch Ernst Buchrucker von Unitel wisse um die Belastung für die Künstler. „Wir stören natürlich in der nervösen Phase der Sänger und sind sehr dankbar, wie toll wir dennoch bei den Festspielen unterstützt wurden und dieses Projekt vollenden konnten“, sagt er. Diese DVDs seien der Versuch mit Hilfe der digitalen Welt mehr zu bieten, als der Zuschauer normalerweise in der Oper sehen kann.

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