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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Die Liebe der Danae • TerrassenTalk mit Franz Welser-Möst

27 JUL 2016

by FESTSPIELKIEBITZ  11:59 h;
veröffentlicht in: Oper

Helga Rabl-Stadler, Franz Welser-Möst (Foto: SF / Anne Zeuner)
„Die Stimmung bei den Proben ist wundervoll, obwohl dieses so schwierige und sicher auch deshalb so selten gespielte Werk für alle, das herausragende Sängerensemble wie für die Wiener Philharmoniker eine besondere Herausforderung darstellt. Das herrliche Ergebnis der Zusammenarbeit für eine Strauss-Oper, nämlich den Rosenkavalier 2014 und 2015  zwischen Franz Welser-Möst, den Wiener Philharmonikern und Krassimira Stoyanova scheint mir ein gutes Omen für 2016", sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Dass das Werk anspruchsvoll ist, das bestätigt auch Dirigent Franz Welser-Möst. Bisher, so sagt er, sei das Stück mit der größten Herausforderung der Wiener Philharmoniker immer die Daphne gewesen. Nun aber wurde dieses durch Die Liebe der Danae noch übertroffen. „Jeder Einzelne musste richtig viel üben“, sagt der Dirigent. Auch Sängerin Krassimira Stoyanova habe zu ihm gesagt, dass sie noch nie eine solch schwere Partie gesungen hätte, sagt Welser-Möst. „Strauss lotet einfach alle Extreme in dieser Oper aus. Und das tut er bei allen Sängern, nicht wie in den anderen Werken, nur bei den Tenören.“ Das sei wohl auch der Grund, warum das Stück so selten auf den Spielplänen stehe.

Die Liebe der Danae ist eng mit der Festspielgeschichte verbunden. So sollte es 1944 eigentlich in Salzburg uraufgeführt werden. Die Festspiele wurden allerdings nach der Generalprobe abgesagt und die Oper konnte erst 1952 uraufgeführt werden. Seitdem stand es nur ein weiteres Mal – im Jahre 2002 – auf dem Spielplan. Ob es für ihn eine Diskrepanz darstelle, dass das Werk, eine heitere Mythologie, während eines Weltkrieges entstanden ist, fragt Moderator Peter Schneeberger. „Das gibt es in der Kunst immer wieder. – Kunst muss nicht die Realität eins zu eins abbilden“, sagt Franz Welser-Möst. Für ihn sei Die Liebe der Danae beides: ein Stück zwischen Kunst und Philosophie, und beide zielen auf das Allgemeine. So beginne das Stück zwar heiter, was man auch in der Musik höre, aber es zeige eben auch einen alten Menschen, der Abschied nimmt von der Welt; Abschied von allem, was ihm lieb und teuer war. „Strauss versucht hier die griechische Antike und die deutsche Romantik zusammenzuführen“, sagt der Dirigent. Sein Augenmerk lege er dabei auf Jupiter, der mit Pomp in der Tonart des Göttlichen, in C-Dur eingeführt werde. Im Verlaufe des Stückes aber verschmutze dieses C-Dur immer mehr und mehr. „Der Göttervater wird zum Menschen. – Das ist für mich die Grundaussage dieses Stückes“, sagt Franz Welser-Möst. Strauss selbst sei Atheist gewesen und habe sich mit Jupiter identifiziert.

In der Oper höre man viele Anklänge an frühere Strauss-Werke. Franz Welser-Möst spricht von Anleihen, es seien keine wirklichen Zitate. Und den Vorwurf, Strauss sei als altem Mann nichts Besseres mehr eingefallen, weist er entschieden zurück. „Ich finde man spürt und hört hier einen alten Mann. Er will damit ein Bild entwerfen, von dieser Welt, von der er sich verabschiedet.“ Es seien neben Anspielungen auf eigene Werke und Wagner-Werke auch impressionistische Klangbilder zu hören. „Strauss probiert hier Dinge aus, die er nie zuvor genutzt hat“, sagt der Dirigent. Im Goldregen etwa ergebe sich fast ein Klangbild, wie man es von Debussy kenne. Und dieses Klangbild mischt Strauss mit eben jener Klarheit und Feinheit, die man aus den typischen Strauss-Klängen kenne.

Die Wiener Philharmoniker seien die Idealbesetzung für dieses Stück, sagt Franz Welser-Möst. Die Oper verlangt den Wiener Tonfall, und der liegt den Philharmonikern im Blut, den haben sie sich über Jahrzehnte angeeignet. Die Musiker spielen die Stimmen von 1952 mit Eintragungen von Clemens Krauss, der die Uraufführung musikalisch geleitet hat. „Die lustigste Eintragung, die wir gefunden haben war: ‚47 Orchesterproben‘. Und: ‚Die Danae ist auf jeden Fall zu vermeiden‘.“

Auch die Sänger mussten überredet werden, diese schwierigen Partien zu übernehmen. Krassimira Stoyanova sei ein absoluter Glücksfall, sagt Franz Welser-Möst. Für sie ist es die dritte Strauss-Partie, die sie singt und alle drei hat sie mit Franz Welser-Möst erarbeitet. „Sie war am Anfang wirklich skeptisch. Nicht nur dass sie oft sehr hoch singen muss, sie hat auch sehr schwierige Linien zu singen. Sie schafft es dennoch, dass es einfach klingt“, sagt der Dirigent. In dieser Woche habe sie sich sogar bei ihm bedankt, dass er sie zur Rolle der Danae überredet habe. Sie habe sich in das Stück verliebt.

Obwohl es doch ein eher langes Stück ist, sei es sehr kurzweilig, das haben ihm alle gesagt, die an der Probenarbeit beteiligt waren. Und obwohl das Stück am Ende einen resignierenden und melancholischen Charakter habe, gebe es ein Fünkchen Hoffnung. „Die letzte halbe Minute greift die Hoffnungstonart in B-Dur auf“, sagt er. 

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