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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

„Iphigénie en Tauride“ • Eine Oper der Aufklärung

13 MAI 2015

by FESTSPIELKIEBITZ  09:45 h;
veröffentlicht in: Oper, Schauspiel, Pfingsten

Cecilia Bartoli (Foto: Uli Weber/Decca)
Die Tochter des Agamemnon und der Klytämnestra sowie Schwester des Orest lebt isoliert auf der Insel Tauris (heute Insel Krim), wo sie als Priesterin im Diana-Tempel gezwungen ist, jeden ankommenden Fremden zu opfern.
Eindrucksvoll eröffnet ein musikalischer Sturm, der ihren Bruder Orest und dessen Freund Pylades an die taurischen Ufer wirft, die Oper Iphigénie en Tauride. Iphigenie sieht die beiden Gefangenen, noch ohne ihren Bruder zu erkennen. Der Fluch, der auf Tantalus‘ Nachkommen lastet und sie einander zu Mördern macht, scheint sich fortzusetzen. Der Urahn Tantalus war der Liebling der Götter, bis er diesen seinen eigenen Sohn Pelops in Stücke geschnitten und gekocht als Speise angeboten hatte, um deren Allwissenheit zu testen. Die Götter bemerkten den Betrug, verbannten ihn in den Tartarus und verfluchten ihn und seine Nachkommen.
Durch den aufgeklärten Blick des späten 18. Jahrhunderts auf das Drama der griechischen Mythologie wird Iphigenies Wunsch, nicht mehr töten zu müssen, um selbst am Leben bleiben zu können, zum humanitären Akt und die Menschlichkeit zur grundlegenden Botschaft des Werks.
Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714 – 1787) war ein Erneuerer der Oper im Geiste der Aufklärung: Iphigénie en Tauride, uraufgeführt am 18. Mai 1779 in der Pariser Académie Royale, wurde zum größten Triumph seiner Laufbahn. Gluck hatte darin sein erklärtes Ziel, die Verwirklichung der griechischen Tragödie in der Zusammenfassung von Dichtung, Musik und Inszenierung erreicht.
Knapp 20 Jahre später kam die Oper in Weimar zur Aufführung. Darüber schrieb Schiller am Heiligabend 1800 an Goethe: „Hier erwartet Sie die Iphigenia. Die Musik ist so himmlisch, dass sie mich selbst in der Probe zu Tränen gerührt hat.“ Von einem „unendlichen Genuss“ schwärmte Schiller weiter: „noch nie hat eine Musik mich so rein und schön bewegt wie diese“.
Premiere: 22. Mai 19:30 Uhr im Haus für Mozart

Johann Wolfgang Goethe – zufällig zeitgleich mit Gluck – verdichtete den antiken Mythos zu seinem Bühnenstück Iphigenie auf Tauris, das ebenfalls im Jahr 1779 und nur sechs Wochen vor Glucks Oper in Weimar uraufgeführt wurde.
Am 23. Mai findet die Lesung des Schauspiels mit Brigitte Hobmeier, Sven-Eric Bechtolf, Michael Rotschopf, Marcus Bluhm, Hans-Michael Rehberg u.a. statt.

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