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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Montblanc & Salzburg Festival Young Directors Award 2014 geht an den 31-jährigen Nicolas Charaux

21 AUG 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  12:09 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Montblanc & Salzburg Festival Young Directors Award 2014 • Nicolas Charaux © Franziska Krug
Sag zum Abschied leise Servus, möchte man summen, oder auf gut pifkienesisch: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Liebe Hinterbliebene, liebe Füllerbesitzer, liebe Theaterleute aus 12 Jahren von 52 Aufführungen aus 22 Ländern. Liebe Zuschauer des Young Directors Project aus Nah und Fern, nun ist es also vorbei und mir ist die Ehre widerfahren, zum Abschied leise Servus zu sagen und das Votum der letzten Jurysitzung zu verkünden.
Die Jury wurde dieses Jahr aus Julia Gschnitzer, Helga Rabl-Stadler, Georg Schmiedleitner, Thaddaeus Ropac und mir gebildet. Vielen Dank für Beobachtung und genaue Analyse. Besonderer Dank geht an die Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Thaddaeus Ropac, die alle Jahre dabei waren. Viele Sitzungen und Meinungsverschiedenheiten, unnütze und nütze Diskussionen haben sie überstehen müssen. Chapeau.
Aber: Hic et nunc. Besonders gelobt haben wir in unserer Sitzung die Bemühungen der Mozarteaner vom Thomas-Bernhard-Institut, die sich mit Phantasie und Fleiß zu der großen europäischen Katastrophe von 1914 fein theatralisch geäußert haben. Allen, die die Szene „Karl Aicher“ sehen konnten, haben sich sehr beeindruckt über die Genauigkeit des Spielens und des Sprechens gezeigt. Eine Regie-Idee, die auf Konzeption und Stil schließen ließ, auch einen gemeinsamen Bogen, gab es freilich nicht. Konnte es wohl auch nicht geben, war auch nicht der Sinn einer solchen umfangreichen Unternehmung.
Als allererstes war eine Entdeckung zu besichtigen. Tollers Hinkemann. Toller, einen solch wichtigen Autor, wieder auf die Bühne zu bringen, der noch mit der Münchner Räterepublik für Furore und Aufruhr sorgte, der als Vorbild in Dorsts Stück Toller viele europäische Bühnen eroberte. Das alles ist aller Ehren wert und enorm wichtig. Das war gut und schlüssig inszeniert mit guten und begabten Spielern. Ein tolles Stück, dem man viele Wiederholungen wünscht, auch in Düsseldorf.
Was haben wir gelacht und gejubelt über die Kollegen aus London – über Orpheus und seine schräge Eurydike. Über diese sehr englische Art, diesen Mythos durch den Earl Grey zu ziehen. Das alles in der großen Tradition der Music Hall oder der Frau Littlewood. Ein Spaß, ein helles Vergnügen mit hochbegabten Schauspielern, die gleichzeitig wahnsinnig begabte Musiker sind.
Da fällt mir eine Anekdote von Curt Bois und Fritz Kortner ein, die ich aber für mich behalte. Also, schließlich sprachen wir über den Abschied. Eigentlich auch ein guter Titel für diese letzte Veranstaltung. Wir sahen einen großen Schauspieler, Paul Herwig,  der sich mit Verve und einer gewissen Rücksichtslosigkeit sich selber gegenüber in diesen neuen Text von Walter Kappacher warf. Auch für keine Trakl-Kenner wurde diese verzweifelte Seele wie durch einen Projektor an die Wand geworfen. Wir sahen ein großartiges Bühnenbild, das mehr war als bloße Bühnenbegrenzungen. Es nimmt nicht Wunder, dass der außerordentliche Galerist Thaddaeus Ropac auf diese ‚Skulptur‘, wie er sagte, besonders hinwies. Hätten wir nun ein Young Designers Project hätte Pia Greven sicherlich diese Ehre verdient. Dass ein Bühnenbild im Laufe des Abends verändert wurde durch mörderische Axthiebe, war einer der großen Einfälle des Regisseurs Nicolas Charaux. Er hat ein dichtes Netz gebaut, in dem die verwundete Seele des Herrn Trakl zappelte.
Wir haben uns also für diese Gruppe und ihren Regisseur entschieden – und wünschen ihm und allen Mitarbeitern weiterhin einen großen Erfolg auf den steinigen Wegen durch die deutschen Theater. Herzlichen Glückwunsch!
Der MONTBLANC YOUNG DIRECTORS AWARD ist mit einem Preisgeld in Höhe von € 10.000,- sowie dem exklusiv für diesen Anlass entworfenen Montblanc Max Reinhardt Pen dotiert. 

Für die Jury

Helga Rabl-Stadler          Thaddaeus Ropac         

Julia Gschnitzer        Jürgen Flimm      Georg Schmiedleitner

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