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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Ein Verführer von trauriger Gestalt

14 AUG 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  12:41 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Don Juan kommt aus dem Krieg 2014 • Nele Rosetz, Max Simonischek, Elisa Plüss (Foto: Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus)
Wenn Don Giovanni und Don Quijote sich träfen, dann könnte dabei eine ähnliche Geschichte herauskommen, wie bei Ödön von Horváths Don Juan kommt aus dem Krieg – ein Verführer von trauriger Gestalt.
Der österreichische Autor Ödön von Horváth gibt in seinem Stück eine ganz andere Sicht auf den Stereotyp des Don Juan, anders als bei Da Ponte/Mozart wird hier der Protagonist von den Frauen verführt, nicht umgekehrt. Auf der Suche nach seiner Braut, die er vor dem Krieg zurückgelassen hat, wird er von 35 Frauen betört, aber niemals geliebt. Die wirtschaftliche Inflation der 1920-er bzw. 1930-er Jahre wird für Don Juan zu einer Inflation der Liebe, die immer weniger wert wird und dadurch in größeren Mengen benötigt wird. Eine vergebliche Suche: seine Braut ist tot, seit vielen Jahren. Die Briefe ungelesen von der herrischen Großmutter verbannt. Was bleibt ist eine romantische melancholische Sehnsucht, der sich Don Juan am Schluss hingibt.
Andreas Kriegenburg, der mit einer fulminaten bildästhetischen Ring-Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper München in aller Munde war, gilt als Visionär des Theaters und wird für Regie und Bühne zuständig sein. Auch Horváth galt in seiner Zeit als ein Erneuerer des Theaters und schuf mit Werken wie Geschichten aus dem Wiener Wald einen neues Volkstheater.
Max Simonischek wird den traurigen Don Juan auf der Suche nach seiner Liebe verkörpern. Venedig wird zu einer deutschen Stadt. Die Renaissance zu den „roaring twenties“. Und neun fabelhafte Schauspielerinnen umwerben den jungen Adonis in 35 verschiedenen Rollen.
Mit der Neuinszenierung von Horváths Don Juan kommt aus dem Krieg verbinden die Salzburger Festspiele zwei Programmpunkte auf kongeniale Weise: einerseits die Neuinszenierung des Don Giovanni im Da Ponte-Zyklus unter der musikalischen Leitung von Christoph Eschenbach und in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf sowie den Schwerpunkt der diesjährigen Festspiele zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg.
Wenn Sie eine erfrischend neue Sicht auf den Mythos Don Juan mit einem herausragenden Schauspielensemble um Max Simonischek erleben möchten, dann sichern Sie sich hier Karten und lassen Sie sich verführen!

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