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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Der Regisseur Alvis Hermanis über „Il trovatore“

9 AUG 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  11:55 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Il trovatore 2014 • Anna Netrebko (Leonora), Plácido Domingo (Il Conte di Luna) © Salzburger Festspiele / Forster
Regisseur Alvis Hermanis, für den es nicht vorstellbar ist, die Geschichte des Trovatore aus ihrem historischen Zusammenhang zu lösen, siedelt seine Inszenierung in einem Museum an – ein Ort, an dem Vergangenheit auf besondere Weise existent ist und eine eigene Realität besitzt. Faszinierend sind für ihn vor allem die Menschen, die an einem solchen Ort als Touristenführer oder Museumswächter arbeiten: „Es ist interessant, diese zu beobachten, und was in ihren Köpfen vorgeht, kann man nur vermuten. Nicht selten erlebt man, wie sehr sie sich mit den ihrer Obhut anvertrauten Gemälden und den darauf dargestellten Personen eins fühlen, in ihren Bildbeschreibungen sich mit diesen identifizieren oder sich gar in sie verlieben. Unsere Inszenierung des Trovatore beginnt am Ende eines Tages in einem nicht näher lokalisierten Museum. Mit Ausnahme Manricos sind alle Personen der Handlung in diesem Museum angestellt. Wir erleben sie zunächst bei ihrem Tagwerk, bis das Museum geschlossen wird und die Nacht hereinbricht. Die Realitäten beginnen sich zu vermischen. Sind es die Bilder, die lebendig werden, oder sind es unsere Protagonisten, die sich in die Vergangenheit zurückträumen? Für mich tragen Gemälde an ihrer Oberfläche noch die Realität ihrer Entstehungszeit, auch wenn, wie bei den Gemälden „unseres“ Museums, 500 Jahre darüber hinweggegangen sind. Ein Museumsraum funktioniert wie eine Zeitmaschine, die Vergangenheit lebendig werden lässt und bei uns Nostalgie über Geschichte, die verschwindet, weckt. Und ebenso, wie Verdi mehr und mehr auf die Skala der Emotionen fokussiert, die enge Verbindung von Liebe und Tod vorführt, spielt die eigentliche Handlung keine Rolle mehr – eine Auflösung von Raum und Zeit findet statt.“ 

Ronny Dietrich 

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