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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Ein Affe. Eine Trommel. Eine Premiere.

5 AUG 2014

by Matthias Jakisic  10:39 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Matthias Jakisic (Foto: Fritz Fitzke)
Endproben sind prickelnd. Endproben sind intensiv. Endproben sind anstrengend. Doch werden sie von einem sehr präzisen Regisseur geführt, der genau weiß, was er will. Und so fühlt man sich zwar erschöpft, aber gut aufgehoben, wenn man sich nach einem langen Probentag in die Stammkneipe „Zum Fidelen Affen“ begibt, um die Schrecken einer totenbleich geschminkten Musikkapelle mit einem kühlen Bierchen hinunterzuspülen. Draußen in der echten Welt werden jedoch fleißig weiter Geschichten geschrieben: so zum Beispiel in der Nacht nach der ersten Endprobe, wir verputzen gerade ein wohl bekömmliches Affensteak, wo ich mich zu später Stunde doch aufmachen wollte, um nach einer wohlverdienten Dusche erschöpft ins Bett zu fallen. Ich schwankte, mehr oder minder bestimmt, zu meinem Fahrrad, zückte den Schlüssel und war irritiert, dass das Schloss sich zierte, mir den Weg ins wohlverdiente Bett zu gewähren. Ein nettes Ensemblemitglied kam mir zu Hilfe, machte die Situation jedoch noch schlimmer: der Schlüssel brach ab! Das Grand Final dieses Abends erlebten wir, als wir uns plötzlich in der Werkstatt des Wirten befanden, welcher lachend mit einer Säge in der Hand das gute Fahrradschloss mit Gewalt gefügig machte und wir den lustigen Abend mit einem Schnaps fortsetzten!

 

Es gäbe noch so viele Geschichtlein zu erzählen, von schweißtreibenden Albträumen voller Effektgerät-Diebe, von dem Tag, an dem ich mich zum Henker einer Trommel machte, die ich vor lauter Inbrunst durchschlug, von Hüten, die ein kurzes Nickerchen verstecken, doch kaum man sich versieht, steht die Premiere vor der Tür. Nun ja, eigentlich hinter der Tür. Im Salzburger Landestheater. Bumsti, ist sie da! 


Am 29. Juli durfte das Menschlein (Die letzten Tage der Menschheit) also das Licht der Welt erblicken. So chaotisch es auch im Affen-Leben zuging, so ruhig und fokussiert war die Stimmung vor der Premiere. Das gesamte Ensemble inklusive uns Musiker war außergewöhnlich entspannt, was wohl auch daran lag, dass wir schon einige Durchläufe hinter uns hatten und demnach sehr gesetzt in diesen Abend gehen konnten. So verliefen die vier Stunden des Stücks wie im Flug und wir landeten nach langem Applaus auf der Premierenfeier im Foyer des Landestheaters. Der Himmel ergoss sich an diesem Abend, als ob auch er nach dieser intensiven Probenzeit erleichtert wäre, dass die Premiere gut über die Bühne ging, und trieb mich relativ früh, jedoch glücklich erschöpft nach Hause.  

 
Die letzten Tage der Menschheit 2014 • Ensemble

Auch der Kritiken-Regen folgte schon wenige Stunden nach der Premiere. Theaterkritiken gehören zu den Texten, die am stärksten in die Irre führen, wenn man sie naiv liest. Man muss sie dekodieren.

 Die wichtigste Information steckt meistens da, wo vom  Beifall des Publikums die Rede ist. Manchmal muss man  nach diesen Nebensätzen suchen, wenn ein Verriss vom  Jubel des Publikums abweicht. Suchen muss man leider  auch immer nach der Rezension über die Musik, meiner  Ansicht nach leider ein Randthema im Sprechtheater.  Allerdings stehe ich diesem Bereich ja offensichtlich  nicht ganz distanzlos gegenüber, es gibt allerdings doch  ein paar Kleinigkeiten, die ich hier richtig stellen möchte:  nein, ich spiele nicht Schlagzeug, ich spiele Violine.  Nein, Tommy Hojsa und ich haben nicht die Märsche für  die Blasmusik geschrieben. Und nein, Lenny ist keine  Frau namens Jenny – obwohl wir sehr froh sind, dass  der Kritiker einen vortrefflichen Insider-Spitznamen für unseren Schlagwerker kreiert hat. Danke! Nun sind die Proben vorüber und wir dürfen uns auf viele weitere Vorstellungen freuen! Bis dahin verabschiede ich mich bis zum nächsten Blog! 

Matthias Jakisic 
(in Zusammenarbeit mit Sarah Scherer) 

[alle Fotos: © Matthias Jakisic]

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