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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Johanna Wokalek und Marianne Crebassa: Zwei starke Frauen sind Charlotte Salomon

21 JUL 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  16:40 h;
veröffentlicht in: Oper

Johanna Wokalek, Marianne Crebassa (Foto: Salzburger Festspiele / Andreas Kolarik)
Charlotte Salomon war die erste Oper, die Alexander Pereira als Intendant der Salzburger Festspiele in Auftrag gegeben hat. Nun kommt das lange vorbereitete Werk in der Felsenreitschule zur Uraufführung. Der Komponist Marc-André Dalbavie kommt aus der Tradition der Spektralisten, bei denen die Analyse des Einzeltons sehr stark im Mittelpunkt steht. Dalbavie hat mit seiner Arbeit eine neue Tonsprache entwickelt, die der seriellen Musik gegenüber steht. Die Oper ist jedoch nicht nur geprägt von seiner sehr persönlichen Tonsprache, Dalbavie greift in seiner Komposition zudem viele Musikzitate, die von Charlotte Salomon notiert wurden, auf. Darunter fällt etwa ein Lied von den Comedian Harmonists oder Melodien aus Bizets Carmen. Für die Sängerin Marianne Crebassa ist somit eine enorme Bandbreite an Musikstilen zu bewältigen. Von gesprochenen Passagen, die zu Sprechgesang übergehen, bis hin zu lyrischen Ausbrüchen ist alles abgedeckt. Dies ist eine große Herausforderung an die stimmliche Flexibilität der Sängerin, was der jungen Französin aber sehr viel Freude bereitet.
Das Werk und die Inszenierung halten sich sehr stark an die Vorlage von Charlotte Salomon. Sie hat in einer Vielzahl von Gouachen, einem „Singespiel“ wie sie es selbst bezeichnet hat, ihre Lebensgeschichte festgehalten, in Bild und Text und mit einer Großzahl an musikalischen Verweisen, die ihr während ihrer Arbeit in den Sinn gekommen sind. Sowohl die originalen Bilder als auch die Texte werden neben den musikalischen Erinnerungsstücken fast unverändert auf der Bühne zu erleben sein. Gerade in dem Erinnerungsprozess, was die Gouachen von Charlotte Salomon ja sind, liegt für die Schauspielerin Johanna Wokalek das Spannende. Erinnern entspricht nie einer linearen Dramaturgie. Erinnerungen vermischen sich und werden durch Erlebnisse neu verknüpft. „Das ist das Fesselnde daran“, so Johanna Wokalek. Laut Wokalek ist die Bühne der einzig Ort, um das zwischen den Kunstgattungen changierende Werk Charlotte Salomons weiterzudenken – als Musiktheater. „Das ist es, was mich als Schauspielerin besonders an dem Projekt interessiert hat.“ Auch für Marianne Crebassa ist die Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Johanna Wokalek im Rahmen der Oper ein besonderes Erlebnis.
Die Tatsache, dass es zwei Charlotte-Figuren auf der Bühne gibt, verändert die Arbeit wesentlich. Wenn die Sängerin die Schauspielerin in der Rolle der Charlotte Salomon sieht, ist das, als ob sie in einen Spiegel sieht. Marianne Crebassa hört sehr auf die Art und Weise, wie Johanna Wokalek ihren Text spricht. Während die Texte von Ruhe geprägt sind, zeichnet sich der Gesangspart durch hohe Emotionalität aus. In den letzten Probentagen hat Johanna Wokalek die Sängerin während der Proben sogar gezeichnet, ganz wie Charlotte Salomon selbst ihre Umwelt und ihr Leben in Bildern festgehalten hat.
Das Werk fordert alle Kräfte. So sind auch alle Abteilungen der Festspiele gefragt, den Weg der Entstehung dieser Inszenierung von Anfang an gemeinsam zu gehen. Erleben Sie diese spannende Uraufführung unter der Regie von Luc Bondy. Nach der Premiere am 28. Juli finden noch vier weitere Vorstellungen in der Felsenreitschule statt.

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