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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Erste Eindrücke eines „Young Singers“ bei den Salzburger Festspielen

18 JUL 2014

by Wolfgang Resch  18:08 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Insgesamt 21 junge Sängerinnen und Sänger aus 14 Nationen wurden für das diesjährige Young Singers Project ausgewählt. Wer aller dabei sein würde, konnte man bereits Monate vor Beginn auf der Homepage nachlesen. Umso spannender war es, seine Kollegen, mit denen man nun den Sommer in Salzburg verbringen würde, endlich persönlich kennen zu lernen. Für viele von uns begannen bereits am ersten Tag die Proben für La Cenerentola für Kinder, bei der ich neben meinem Kollegen Roman Hoza den Dandini verkörpern werde. Voller Spielfreude stürzten wir uns auf das Stück, welches, so viel darf verraten werden, Kinderherzen höher schlagen lassen wird. Die Kostüme und das Bühnenbild sind unglaublich märchenhaft verspielt, ja erinnern ein klein bisschen an Walt Disneys „Cinderella“. Eine Besonderheit unserer Cenerentola-Fassung ist, dass der Vater Don Magnifico nun als Mutter Donna Magnifica in Erscheinung tritt. Gespielt und gesungen wird die Figur aber nach wie vor von einem Mann.  
Seit drei Wochen musizieren und proben wir nun gemeinsam. Das schweißt zusammen! Gerne verbringt man da auch abseits der Proben die gemeinsame Zeit miteinander, um sich auszutauschen und den Tag ausklingen zu lassen. Orte und Möglichkeiten gibt es im wunderschönen Salzburg ja genug.
Eine besondere Freude bereitet es mir, dass ich gemeinsam mit meiner YSP-Kollegin Annika Schlicht in der diesjährigen Uraufführung Charlotte Salomon des französischen Komponisten Marc-André Dalbavie, der sein Stück selbst dirigieren wird, eine kleinere Rolle verkörpern darf. Als ich erfuhr, dass mir die Rolle eines „Nazi“ zugedacht wurde, war mir schon etwas mulmig zumute, zumal wir in originalen Nazi-Uniformen auf der Bühne stehen werden. Auch am Theater, wo die Mitarbeiter und Kollegen einiges gewohnt sind, erntet man zurecht schockierte Blicke, wenn man sich in besagter Uniform in der Probenpause am Kaffeeautomaten bedient. Umso packender sind die Bilder, die Regisseur Luc Bondy in der Felsenreitschule erzeugt. Erzählt wird die Geschichte der jungen jüdischen Künstlerin Charlotte Salomon, die im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben kam. Leicht ist es nicht, einen „Nazi“ auf der Bühne darzustellen. Ich sehe es als spezielle Form der Vergangenheits-Aufarbeitung.  
Neben den Proben stehen für uns YSPler fast täglich Coachings auf dem Programm, in denen wir an unserem Repertoire feilen und uns auf die bevorstehenden Meisterkurse und Konzerte vorbereiten.
Ab nächster Woche beginnen die Endproben unserer Kinder-Cenerentola und der Probenstart für die Wiederaufnahme der Entführung aus dem Serail für Kinder steht bevor. Davor präsentiert sich aber noch das gesamte YSP-Ensemble am Samstag, den 19. Juli, in zwei Konzerten im Rahmen des Festes zur Festspieleröffnung in der großen Universitätsaula.

Bis bald!

Wolfgang Resch

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