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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

„The Forbidden Zone“ • Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren

17 JUN 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  16:33 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Clara Immerwahr (Quelle: Wikipedia)
Im raschen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Schauplätzen in Europa und den USA und Ereignissen  zwischen den Jahren 1949 und 1915 wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt: Claire Haber ist eine Wissenschaftlerin, die aus Nazi-Deutschland geflohen ist und in einer Welt, die als Folge des Zweiten Weltkriegs von Massenvernichtungswaffen beherrscht wird, lebt – und forscht. Sie ist Chemikerin, Tochter und Enkelin von Chemikern, darunter sogar einem Nobelpreisträger. Claire versucht, ein Mittel gegen Chemiewaffen zu entwickeln, doch als ihre Bemühungen aus politischen Gründen vereitelt werden, kehrt sie in Gedanken immer öfter zu den Jahren des Ersten Weltkrieges zurück, als Giftgas zum ersten Mal zum Einsatz kam – und zu ihren Großeltern, Fritz Haber und Clara Immerwahr, die bezüglich dieses Themas zutiefst gegensätzliche Ansichten vertraten. Wie kam es dazu, dass diese Waffen tatsächlich angewendet wurden? Und um welchen Preis? Was hätte noch unternommen werden können, um ihren Einsatz zu verhindern? Je mehr Claire darüber nachdenkt, was sich zwischen ihren Großeltern abgespielt haben muss, desto dringlicher und grundlegender werden die ethischen Fragen, mit denen sie sich konfrontiert sieht; und umso schwieriger wird es für sie, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie kommt zu der Überzeugung, dass Krieg unter allen Umständen verhindert werden muss. Aber was kann sie tun? Was vermag ein einzelner Mensch sinnvoller Weise zu unternehmen – in einer Welt, die scheinbar völlig versessen darauf ist, Krieg zu führen?
Duncan Macmillans Text bezieht Schriften etlicher einflussreicher feministischer Autorinnen aus dieser Zeit mit ein – wie etwa Virginia Woolf, Emma Goldman, Hannah Arendt, Simone de Beauvoir sowie die amerikanische Romanautorin und Lyrikerin Mary Borden, deren Sammlung literarischer Skizzen, die ihre Erfahrungen als Leiterin eines Feldspitals in Flandern widerspiegeln, dem Stück den Titel geben. Das Ergebnis ist ein komplexes, vielschichtiges Werk, das Geschichte auf äußerst lebendige und intensive Weise erlebbar macht.
Von einem Ensemble in Szene gesetzt, das sowohl aus deutschsprachigen als auch englischen Schauspielern besteht, und in deutscher und englischer Sprache gespielt wird, erinnert The Forbidden Zone an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren, indem es eine Riege internationaler Darsteller mit den Möglichkeiten moderner Technik zu einer monumentalen Erzählung vereint, die den etablierten Kanon dramatischer Darstellungen dieses Konflikts durch eine neue, weibliche Perspektive bereichert.

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