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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

ROSSINIMANIA, Wien 1822 • Sonderausstellung im Rahmen der Pfingstfestspiele

11 APR 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  17:03 h;
veröffentlicht in: Pfingsten

Tapetenentwurf für die Ausstellung „Rossinimania, Wien 1822“ (Copyright: Da Ponte Research Center, 2014)
Als Gioachino Rossini im März 1822 in Wien eintrifft, war längst schon die Wiener Premiere der Oper Zelmira für das Kärntnertortheater geplant, Aufführungen von neun seiner beliebten Opern in Vorbereitung und auch so manches Treffen mit illustren Persönlichkeiten wie Metternich oder Beethoven möglicherweise schon „angedacht“, wie es heute wohl heißen würde.  Der  Maestro  kommt  mit  seiner  Sängertruppe  aus  Neapel,  wo  er  im  königlichen Teatro San Carlo schon Triumphe gefeiert hat und wird im Juli nach London weiterreisen. Rossinis Aufenthalt in Wien darf man als ein frühes Format von „Festival“ verstehen – die Ausstellung ROSSINIMANIA, Wien 1822 versucht, die Aktualität dieses Ereignisses, fast ein „Event“, für ein Publikum von heute vorzuführen, gleichsam als eine kultur- und musikgeschichtliche „Backstage“ der Pfingstfestspiele. So treten Persönlichkeiten aus Rossinis engster Umgebung buchstäblich ins Rampenlicht – wie seine Frau Isabella Colbran, der sopranistische „Superstar“ der Truppe. Dieser Aufenthalt in Wien könnte von beiden als Hochzeitsreise geplant worden sein, hatten sie doch erst am 16. März bei Bologna geheiratet – und am 23. März kommen die Neuvermählten in der Kaiserstadt Wien an. Es wird ihnen ein überaus festlicher Empfang bereitet – später wird man vom „Rossini-Taumel“ sprechen. Man erlebt in der Ausstellung die Präsenz Rossinis in Wien, man erfährt Details seines Tagesverlaufs und die Opernbegeisterung der WienerInnen durch die zeitgenössische Presseberichterstattung, wie ganz Wien dem großen Maestro aus Italien huldigt – und er dankt es ihnen.

Auch trägt man während des Maestros Anwesenheit in der Stadt „Kleider à la Rossini“, die auf das markante Outfit und die Erscheinung Rossinis bezogen sein mochten. Wien wäre nicht Wien, wenn nicht auch die Karikaturistenfeder sich des Themas angenommen hätte. Die Ausstellung zeigt unter anderem autographe Noten und Briefe, erste Notendrucke, Porträts der involvierten Persönlichkeiten, Theaterzettel und die Presseberichterstattung zum Ereignis, und versucht in einer Art „inszeniertem und bespieltem Wissensraum“ eine kulturgeschichtliche Collage mit digitalen Visualisierungen, um auch einem jugendlichen Publikum den vielfältigen „Kontext“ dieses glamourösen Wienaufenthalts Rossinis erschließbar zu machen, vor allem auch sinnlich nachvollziehbar.

So trifft man auf die „Wiener Gesellschaft“ und ihre ausgeprägte Musikkultur, die auch ein kritischer Seismograph gnadenlosen Be- und Verurteilens war – man lernt die Welt der Intrigen kennen, die sich um das „Medium“ Oper herum ranken, wie es doch einem Spiegelbild zwischen höfischer Welt und aufkommendem Bürgertum im Biedermeier entsprechen mochte. Die Kaiserstadt Wien präsentierte sich sieben Jahre nach dem Wiener Kongress nach wie vor als eine der europäischen Hauptstädte der Musik, deren Gesellschaft als eine des frühen 19. Jahrhunderts durchaus von Fortschrittsideen beflügelt gewesen sein mochte – allerdings von Metternich und seinem Polizeiapparat geflissentlich „beobachtet“ und gerade im erwachenden Freiheitsdenken „behördlich“ eingeschränkt; hatte man sich doch gegen deutsche Reichseinigungsversuche schon erfolgreich zur Wehr gesetzt. Die Darstellung Wiens, wie es Rossini wahrgenommen haben mochte, ist einmal mehr ein Fokus der Ausstellung – geht es doch um einen ständigen Blickwechsel beim Verstehen von Geschichte: der Italiener Rossini als einer der prominentesten Protagonisten einer italienischen Oper mit Belcanto-Gesang begibt sich in eine Stadt, wo auch ein Carl Maria von Weber die „deutsche Oper“ vertritt. Die Vermittlung all dieser Inhalte an ein jugendliches Publikum ist ein besonderes Anliegen von „ROSSINIMANIA, Wien 1822“ – für SchülerInnen und StudentInnen werden Führungen und Diskussionen in der Ausstellung angeboten.

Text (in gekürzter Form): Herbert Lachmayer

Kurator und Gestaltung Herbert Lachmayer
Kuratorische Assistenz und wissenschaftliche Recherche Teresa Hrdlicka, Miriam Landkammer, Flora Schausberger und Valeria Bibliowicz
Grafikdesign Edith Bergmann und Patrick Weber
Digital Media Daniel Dobler (IM Solutions)
Vermittlung für SchülerInnen Silke Pfeifer
Copyright Da Ponte Research Center, 2014

Diese Ausstellung richtet sich ganz speziell auch an Schüler und Studenten, die einen Einblick in Rossinis Lebens- und Musikwelt bekommen möchten. Informationen zu Gratis-Führungen finden Sie hier.

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