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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Im Gespräch mit dem ersten Finalisten des Young Conductors Awards – Maxime Pascal

7 FEB 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  11:28 h;
veröffentlicht in: Konzert

Maxime Pascal (Foto: Guillaume de Sardes)
1) Was bedeutet es für Sie, Finalist des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award zu sein?
Es ist für mich ein großes Glück und eine unendliche Ehre, dass ich ausgesucht wurde, um bei diesem Finale mitzuwirken. Dies bedeutet nämlich, dass ich einerseits im Programm der Salzburger Festspiele aufgenommen werde, aber auch, dass ich im mythischen Saal der Felsenreitschule dirigieren und das Orchester der Camerata Salzburg entdecken werde! Ich bin sehr glücklich, an einen so prestigeträchtigen Award teilzunehmen. Der Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award regt künstlerische und professionelle Begegnungen an. Ich kann es kaum erwarten, dieses Abenteuer fortzusetzen und vor allem das Publikum der Salzburger Festspiele zu entdecken.

2) Woran denken Sie bei den Worten ‘Salzburg’ und ‘Salzburger Festspiele’?
Wenn man vor mir die Stadt Salzburg und ihre Festspiele erwähnt, bin ich von einer atemberaubenden Sturzwelle von Namen an Künstlerpersönlichkeiten überwältigt, die dieser Stadt und ihren Festspielen ihren Stempel im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgedrückt haben, einer Stadt in der heute noch die größten Musiker zusammentreffen. Wenn ich unter diesen Namen, die mir sofort und gleichzeitig in den Sinn kommen, einen einzigen hervorheben sollte, würde ich Hofmannsthal nennen. Einerseits um einen der Gründer der Festspiele zu würdigen, aber auch, weil ich mich von der Literatur und dem Theater sehr angezogen fühle und durch meine Liebe für diese Kunstformen ein gewisses Gleichgewicht für mein musikalisches Leben finde. Die engen Beziehungen zwischen Text und Musik beflügeln mich. Und ich bilde mir sehr gerne ein, dass diese Leidenschaft u.a. auch Hofmannsthal und die Mitgründer dazu bewogen hat, diese Festspiele zu gründen.

3) Was ist Ihre berufliche Motivation? Haben Sie Vorbilder?
Als Dirigent möchte ich die Musiker und die Zuhörer in einen Dialog einbinden und die Grenzen zwischen diesen beiden Welten aufheben. Mein Ziel ist es, aus jedem Konzert ein Fest zu machen, in dem gleichermaßen die Komponisten, die Werke, das Publikum, die Künstler, die Techniker und alle, die am Geschehen mitwirken, vereint sind. Um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhalten und sie immer wieder zu überraschen, widme ich mich vielen Musikrichtungen von den Madrigalen Gesualdos wie den Opern von Richard Strauss oder Werken Karlheinz Stockhausens.
Pierre Boulez und François-Xavier Roth bin ich für deren Unterricht sehr dankbar. Ich habe nicht unbedingt Vorbilder, aber ich liebe Dirigenten, die die Bühne, das Orchester und sich selbst als Dirigent neu definiert haben, wie Karajan, Gardiner, Boulez. Ich arbeite selber an einem Konzept, was Konzert und Orchester heute bedeuten und wie sie sich in Zukunft entwickeln könnten. Vor fünf Jahren habe ich in Paris mein eigenes Orchester gegründet habe: Le Balcon, ein Ensemble mit wechselnder Besetzung.

4) Was bedeutet Ihnen Musik im Allgemeinen? Was möchten Sie in Ihrem Leben erreichen?
Die Musik ist seit jeher Teil meines Lebens: mein Vater ist Jazz-Posaunist, meine Mutter Klavierlehrerin. Ich erinnere mich, dass ich anlässlich meines ersten Konzertbesuchs mit sechs Jahren sehr beeindruckt war, dass so viele Leute zusammenkommen, um miteinander Musik zu hören. Die menschliche Stimme, vor allem auch die  aufgenommene Sprechstimme, hat mich immer schon interessiert. Die Audiokassetten mit Kindergeschichten, die ich am Abend hörte, waren für mich damals ein akustisches Wunder. Mein Leben dreht sich um Musik in all ihren Ausprägungen.

5) Was war die berufliche Erfahrung, die Sie am tiefsten inspiriert hat?
Die wichtigste Erfahrung für meine Inspiration ist sicher das Zusammentreffen mit allen Künstlern meiner Generation, mit denen ich mein Orchester, Le Balcon, gegründet habe. Ich glaube fest an menschliche Begegnungen, eine der nachhaltigsten war jene mit Pierre Boulez. Ich hatte das große Glück mit ihm arbeiten zu können und Ausführungen über u.a. Le Marteau sans maître und Répons zu erhalten. Durch ihn habe ich viele wichtige Aspekte des Dirigierens, der Interpretation, der Verbindung von Text und Sprache erfahren. 


Der 28-jährige Franzose Maxime Pascal absolvierte sein Dirigierstudium am Conservatoire National Superieur de Musique et de Danse in Paris bei François-Xavier Roth. Im Jahr 2011 gewann er den Simone and Cino del Duca Prize der Academie des Beaux-Arts. Seit 2008 leitet er die beiden Orchester Le Balcon und das Impromptu Orchestra und gastiert auf wichtigen Festivals wie u. a. dem IRCAM Festival, dem Berlioz Festival oder dem Paris Summer Festival. Internationale Erfahrung sammelte er u. a. in Belgien mit dem Brussels Philharmonic Orchestra oder beim australischen BIFEM Festival in Melbourne. 2012 besuchte er in der International Ensemble Modern Academy eine Master Class bei George Benjamin sowie 2013 den Stockhausen Summer Course, wo er mit seinem Le Balcon Ensemble ein Konzert mit Werken von Stockhausen dirigierte. Maxime Pascal erarbeitete mit dem l'Orchestre National de Lille Benjamin Brittens Oper The Rape of Lucretia im Jänner im Pariser l'Athénée Théâtre Louis-Jouvet.

Konzertkarten für 28. Februar um 19:30 Uhr erhalten Sie unter diesem Link.

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