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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Zum Tod von Claudio Abbado

20 JÄN 2014

by FESTSPIELKIEBITZ  13:55 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Claudio Abbado, Orchestra Mozart Bologna (Foto: Silvia Lelli)
„Seit Wochen haben wir uns vor dieser Nachricht gefürchtet. Claudio Abbado ist tot. Die Musikwelt hat einen der ganz Großen verloren. Er wollte nie triumphieren, aber wahrscheinlich sind ihm gerade deshalb solche Triumphe mit seinen Interpretationen gelungen. Auch wir in Salzburg müssen Abschied nehmen von einem Musiker, der unserem Publikum jahrzehntelang außergewöhnliche Erlebnisse beschert hat. Bei wenigen anderen Dirigenten stand so oft das Wort „Sternstunden“ in den Rezensionen. Bei wenigen anderen Dirigenten brandete der Applaus auch nach schwierigen Werken so mächtig auf. Die Festspiele sind dankbar, dass wir ihn in Salzburg haben durften. Durch sein Werk lebt er in uns fort.“, sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einer ersten Stellungnahme.

101 Auftritte, davon 27 in der Oper, zeigen die ganze Breite oder besser ausgedrückt Tiefe seines Repertoires. Er gestaltete Musikereignisse von unvergesslicher Qualität mit einer ganzen Reihe von Orchestern, mit den Wiener und den Berliner Philharmonikern, der Tschechischen Philharmonie Prag, dem London Symphony Orchestra, dem Chamber Orchestra of Europe, dem Gustav Mahler Jugendorchester und mit seiner letzten Orchestergründung dem Orchestra Mozart.

Geholt hat ihn 1965 Herbert von Karajan. Nachdem er Mahlers Auferstehungssymphonie mit den Wiener Philharmonikern dirigiert hatte, erhob sich ein geradezu orkanartiger Beifall im Großen Festspielhaus. Und selbst überaus gestrenge Kritiker wie Franz Endler schwärmten in ihrer Rezension: „Das bisher schönste Konzert der Festspiele wird lange nicht vergessen werden“.

Sein Operndebut gab Abbado 1968 mit dem Barbier von Sevilla. Auch hier zeigte sich wieder die Vielseitigkeit dieses großen Gestalters. Ein Triumph des heiteren Musiktheaters, den ihm viele nicht zugetraut hatten.

Auch alle weiteren Opernproduktionen gingen in die Interpretationsgeschichte der Festspiele ein. 1989 Elektra, 1992 Aus einem Totenhaus, 1994 Boris Godunow, 1997 Wozzeck. Diese waren zum Teil Übernahmen von den Osterfestspielen, deren künstlerischer Leiter er von 1994 bis 2002 war.

Gerade unter dem Eindruck dieses traurigen Ereignisses denken wir gerne daran zurück, dass es Alexander Pereira 2012 gelungen ist, Claudio Abbado mit Messen von Mozart und Schubert nach Salzburg zurückzuholen.

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