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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Uraufführung • Charlotte Salomons Leben? oder Theater? wird zur Oper

12 DEZ 2013

by FESTSPIELKIEBITZ  12:27 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Marianne Crebassa (Foto: Artists Management)
Charlotte Salomon wurde 1917 in Berlin geboren, emigrierte 1939 nach Südfrankreich und wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Sie war damals erst 26 Jahre alt, frisch verheiratet und im vierten Monat schwanger. Die zunehmende Verfolgung der Juden und die ständige Angst vor den auch im Exil immer näher rückenden Nazis setzten ihr und ihrer Familie stark zu. Hinzu kam eine Art Familienfluch: Sowohl ihre Mutter als auch deren Schwester sowie eine ganze Reihe weiterer Verwandter begingen Selbstmord. Als sich 1940 in Villefranche auch noch ihre Großmutter das Leben nahm, beschloss Charlotte, „etwas ganz verrückt Besonders“ zu tun, um nicht auch aus der Bahn geworfen zu werden. Innerhalb von zwei Jahren entstand Leben? oder Theater?. Hunderte von Gouachen, in denen sie die Geschichte ihres noch jungen Lebens und die ihrer Familie erzählt und zugleich fiktiv überhöht, schuf Charlotte Salomon auf eine ganz besondere Art und Weise, die sie selbst so beschreibt: „Der Mensch sitzt am Meer. Er malt. Eine Melodie kommt ihm plötzlich in den Sinn. Indem er sie zu summen beginnt, bemerkt er, dass die Melodie genau auf das, was er zu Papier bringen will, passt. Ein Text formt sich bei ihm, und nun beginnt er die Melodie mit dem von ihm gebildeten Text zu unzähligen Malen mit lauter Stimme solange zu singen, bis das Blatt fertig scheint.“ Kurz vor ihrer Verhaftung und der anschließenden Deportation übergab Charlotte Salomon Leben? oder Theater? einem Arzt, der das Werk später an ihre Eltern, die sich während des Krieges in Amsterdam versteckten konnten, weitergab.

In der Salzburger  Uraufführung von Marc-André Dalbavies Oper wird es zwei Handlungsebenen mit zwei komplementären Hauptfiguren geben: einerseits die Sprechrolle der Charlotte Salomon, die Originaltexte aus Leben? oder Theater? auf Deutsch hat, andererseits die Rolle des von Charlotte Salomon geschaffenen Alter egos, genannt Charlotte Kann, die von der Mezzosopranistin Marianne Crebassa übernommen wird. Ebenso wie ihre Partie werden alle anderen Rollen auf Französisch gesungen. Regisseur Luc Bondy möchte bei seiner Inszenierung im Festspielsommer 2014 neben dem individuellen Schicksal von Charlotte Salomon auch deren exzeptionellen Rang als junge Künstlerin erlebbar machen. So soll ihre Bildwelt in Form von Projektionen auf der Bühne sichtbar werden.

Die Oper Charlotte Salomon über Leben und Werk dieser außergewöhnlichen jungen Künstlerin feiert am 28. Juli 2014 um 19:00 Uhr in der Felsenreitschule Premiere. Vier weitere Vorstellungen folgen im August. Weitere Informationen zum Stück und zur Kartenbestellung finden Sie hier.

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