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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Intendant Alexander Pereira zum Festspielprogramm 2014

6 NOV 2013

by FESTSPIELKIEBITZ  11:00 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Alexander Pereira
Liebe, verehrte Festspielbesucher!

Es ist mir eine ganz besondere Freude, Ihnen unsere Veranstaltungen für den Festspielsommer 2014 zu präsentieren in der Hoffnung, dass diese auf ebenso fantastische Resonanz treffen wie unser Angebot im vergangenen Jahr, das uns die höchste Besucherzahl seit Gründung der Festspiele beschert hat. Noch einmal darf ich meine Vorstellungen von einem Programm verwirklichen, das den Salzburger Festspielen in ihrer Einmaligkeit Rechnung trägt: Auch dieses Jahr werden wir uns bemühen, in einer Dichte wie es nirgendwo in der Welt außer in Salzburg möglich ist, die wichtigsten Künstler unserer Tage für sechs Wochen hier heimisch werden zu lassen. Das macht in meinen Augen die Faszination der künstlerischen Anziehungskraft dieser Festspiele aus. Fünf Opernpremieren können wir Ihnen mit handverlesenen Besetzungen präsentieren. Den Auftakt macht Mozarts Don Giovanni in Fortsetzung unseres Da Ponte-Zyklus, gefolgt von der Uraufführung der Oper Charlotte Salomon als Beitrag zu der Weltkriegsthematik, die unser Programm heuer prägt. Der Rosenkavalier in der Inszenierung von Harry Kupfer ist dem Gedenken an den 150. Geburtstag von Richard Strauss gewidmet, mit Verdis Il trovatore wird sich Regisseur Alvis Hermanis erstmals mit einem Werk der klassischen Operntradition auseinandersetzen. Ein lange gehegter Herzenswunsch von mir ist die Aufführung einer Schubert-Oper. Sein Fierrabras ist in der Neuinszenierung von Peter Stein zu erleben, der uns im vergangenen Sommer einen so wunderbaren Don Carlo auf die Bühne gebracht hat.

Abgerundet wird unser sommerlicher Opernspielplan mit der Übernahme von La Cenerentola von den Salzburger Pfingstfestspielen 2014, natürlich mit Cecilia Bartoli in der Titelpartie, sowie zwei konzertanten Aufführungen von Donizettis La Favorite, wofür Nello Santi am Pult des Münchner Rundfunkorchesters nach über 50 Jahren wieder in die Mozartstadt zurückkehrt! Die Hauptpartien gestalten Elīna Garanča und Juan Diego Flórez. Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen Wagners Tristan und Isolde in einem konzertanten Projekt mit Waltraud Meier und Peter Seiffert in den Titelpartien sowie Daniel Barenboim am Pult seines West-Eastern Divan Orchestra.

Wie Sie sehen, zusammen mit unseren Konzert-Zyklen ein so reichhaltiges Angebot, dass Sie – sollte eine Vorstellung ausverkauft sein – jederzeit attraktive Alternativen finden.

Besonders am Herzen liegt mir die Fortsetzung unserer Ouverture spirituelle, in der sich Weltreligionen in Salzburg begegnen und miteinander in Beziehung treten. Nach der Auseinandersetzung mit jüdischen und buddhistischen Werken in den beiden vergangenen Jahren werden wir im Sommer 2014 den Blick auf die unterschiedlichen musikalischen Ausprägungen des Islam richten, sei es mit der Einladung muslimischer Musiker, sei es über die Präsentation traditioneller spiritueller Gesänge aus verschiedenen Regionen bis hin zu vom Islam inspirierter klassischer und zeitgenössischer Musik. Letztere repräsentieren u.a. der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi und der in Kairo geborene Komponist Hossam Mahmoud, die zugleich in unserer Reihe Salzburg contemporary mit Uraufführungen vertreten sind.

Neben der vorbildlichen Pflege von klassischen Werken sehe ich es als eine wesentliche Aufgabe der Salzburger Festspiele, im Bereich der zeitgenössischen Musik wichtige Signale zu setzen, und so freue ich mich darüber, die im Auftrag der Salzburger Festspiele komponierte Oper Charlotte Salomon von Marc-André Dalbavie in diesem Sommer zur Uraufführung bringen zu können. Der französische Komponist beschäftigt sich in diesem Werk mit dem Leben der jüdischen Malerin Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Der Komponist selbst übernimmt am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg die musikalische Leitung. Weitere Werke des für seinen Klangsinn gerühmten Komponisten sind in den Salzburg contemporary-Konzerten zu entdecken, die heuer zudem einen Schwerpunkt auf das Schaffen von Wolfgang Rihm legen. Als Regisseur für die Uraufführung von Dalbavies Oper konnten wir Luc Bondy gewinnen, der gerade mit dem Nestroy 2013 für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Der Schweizer Regisseur kehrt damit zu den Salzburger Festspielen zurück, wo er u.a. die Uraufführung des Schauspiels Das Gleichgewicht von Botho Strauß und die Opern Salome und Le nozze di Figaro inszeniert hat.

Bei unseren weiteren vier großen Opernpremieren freuen wir uns einmal mehr auf die Wiener Philharmoniker – dankenswerterweise die tragende Säule der Salzburger Fest
spiele.

Mit Don Giovanni eröffnen sie den Opernreigen und setzen damit unseren vorigen Sommer mit Così fan tutte begonnenen neuen Mozart/Da Ponte-Zyklus unter der musikalischen Leitung von Christoph Eschenbach und in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf fort. Mit Ildebrando d’Arcangelo in der Titelpartie sowie Genia Kühmeier, Anett Fritsch, Andrew Staples und Luca Pisaroni, dem gefeierten Guglielmo des Vorjahres, können wir Ihnen ein wunderbares Mozartensemble präsentieren.

Schon bei meinem Amtsantritt hier war es mein größter Wunsch, endlich auch in Salzburg eine Oper Franz Schuberts auf die Bühne zu bringen. Ein wahres Juwel zu entdecken gilt es nun mit Fierrabras, einem seiner insgesamt achtzehn, zum Teil Fragment gebliebenen Bühnenwerke, die viel zu selten zur Aufführung gelangen. Ein Dirigent, der für zu Unrecht vernachlässigte Werke und so auch für Schuberts Opernschaffen brennt, ist Ingo Metzmacher. Er übernimmt die musikalische Leitung dieser Neuproduktion in der Inszenierung von Peter Stein.

Weiters im Premierenreigen zu erleben ist Verdis Il trovatore mit Daniele Gatti am Dirigenten- und Alvis Hermanis am Regiepult. Mit Anna Netrebko, Marie-Nicole Lemieux, Francesco Meli und Plácido Domingo in den Hauptpartien erwartet Sie ein veritables Stimmenfest!!

Der Rosenkavalier von Richard Strauss, geschrieben aus der Perspektive der Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, spiegelt mit seiner zwar wunderschön-melancholischen, aber dennoch nachdenklich machenden Endzeitstimmung eine Epoche wider, die kurz darauf unwiederbringlich dem Untergang geweiht war. Im August 2014 ist es 100 Jahre her, dass mit der Ermordung des Thronfolgers von Österreich-Ungarn jener Krieg ausgelöst wurde, der weltweit 17 Millionen Menschenleben forderte. Daran wollen wir erinnern: sei es mit der Uraufführung von Dalbavies Oper Charlotte Salomon, in der die verheerendsten Folgen dieses Krieges reflektiert werden, sei es im Schauspielbereich mit Neuinszenierungen von Karl Kraus’ Die letzten Tage der Menschheit, Ödön von Horváths Don Juan kommt aus dem Krieg oder Mary Bordens The Forbidden Zone ebenso wie mit ausgewählten Konzertprojekten. Neben dem Rosenkavalier, bei uns von Zubin Mehta geleitet, wird Festspielgründer Richard Strauss auch in unserem Konzertprogramm prominent vertreten sein.

Ich möchte Sie sehr herzlich dazu einladen, unsere Programmzeitschriften in Ruhe zu studieren, in denen es vieles zu entdecken gibt, seien es wunderbare Interpretinnen und Interpreten in unseren Konzertzyklen, seien es spannende Projekte unseres Schauspieldirektors Sven-Eric Bechtolf oder neue Angebote für unsere jüngsten Besucher. Ich freue mich auf einen auf- und anregenden Festspielsommer, den wir natürlich auch in diesem Jahr mit einer stimmungsvollen Ballnacht, am 30. August, krönen werden.

Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken für all die liebevolle Anerkennung meiner Arbeit, die Sie mir zuteil werden ließen, und bitte Sie, uns zu helfen, den Sommer 2014 zu einem großartigen Festspielsommer werden zu lassen.

Mit herzlichen Grüßen!

Alexander Pereira

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