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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Der liebende Ermöglicher des Modernen - Nachruf auf Hans Landesmann

19 SEP 2013

by FESTSPIELKIEBITZ  13:47 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Hans Landesmann, Foto: Schaffler
Hans Landesmann baute dem Jetzt wichtigen Raum – Erinnerung an einen schöpferischen Neuerer.

Hans Landesmann und Salzburg: Diese Konstellation sei „ein Glücksfall für beide Seiten gewesen“, sagte Salzburgs Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler im Vorjahr. Damals hielt sie die Laudatio zum 80. Geburtstag des Kulturmanagers. Am Mittwochabend mussten die Salzburger Festspiele das Ableben ihres langjährigen Direktoriumsmitglieds verkünden: Hans Landesmann erlag in Wien 81-jährig einer schweren Krankheit.

Ab 1989 prägte er mehr als ein Jahrzehnt die Geschicke der Festspiele, vor allem als deren kaufmännischer Leiter und Konzertchef. Mit dieser Doppelfunktion habe Landesmann eine „unschlagbare Kombination“ geschaffen, sagte Rabl-Stadler. Er sei „ein Wissender, Liebender der Kunst, ein schlauer Kaufmann“ gewesen. Wer an der Spitze der Festspiele stehe, müsse sie als „künstlerischen und ökonomischen Motor einer Region positionieren. Das ist eine doppelte Verantwortung, die kein anderer Kulturbetrieb der Welt in dieser Intensität leben muss“. Daher sei es nur folgerichtig gewesen, dass Landesmann „in Salzburg die K & K Position, Konzert und Kaufmann“, eingenommen habe.

Als Sohn einer großbürgerlichen, jüdischen Familie wurde Hans Landesmann 1932 in Wien geboren. In seiner Geburtsstadt sowie in Budapest, wo er in den Jahren 1938 bis 1945 aufwuchs, studierte er Klavier. Ein Chemiestudium in Paris und New York schloss er danach mit dem Doktorat ab. Doch eine geplante Verlagerung seines Lebensmittelpunkts nach New York wurde durch eine familiäre Tragödie verhindert: Der Vater starb 1957. Hans Landesmann kehrte nach Wien zurück, um die Führung des elterlichen Großhandels mit zu übernehmen. Seine Lebensbestimmung war und blieb aber die Kunst: Im Wiener Konzerthaus wurde er Direktoriumsmitglied und 1977 dessen Generalsekretär. Mit Claudio Abbado gründete er 1986 das Gustav Mahler Jugendorchester. An der Gründung des Festivals Wien Modern hatte er wesentlichen Anteil, ebenso wie an der Entstehung der Mondseer Musiktage.

Sein unermüdlicher Einsatz für die Musik der Gegenwart und das Engagement, mit dem er bereits das Wiener Konzerthaus für den Klang des 20. Jahrhunderts geöffnet hatte, sollte auch in Salzburg das unverwechselbare Merkmal seiner Handschrift werden. Als früher Vordenker einer Strukturreform nach der Ära Karajan prägte er die Festspielgeschichte. Dazu trug auch das Mitwirken des Direktoriumsmitgliedes Landesmann bei der Bestellung von Gerard Mortier als Karajan-Nachfolger an der künstlerischen Spitze des Festivals bei. Mit Mortier wirkte er gemeinsam, wenn auch nicht immer im Gleichklang, von 1991 bis 2001 als kaufmännischer Leiter und Konzertchef. In diesen Jahren vereinigte er ideal sein ökonomisches Wissen und Können und sein künstlerisch-ästhetisches Gespür – zum nachhaltigen Nutzen Salzburgs.

Als Verantwortlicher für den Konzertbereich setzte er mit großen „Projekten“ (Pierre Boulez, Maurizio Pollini, György Ligeti, György Kurtág) eigenständige und eigenwillige, in jedem Fall höchst erfolgreiche Akzente. Auch das Festival „Zeitfluss“ , mit dem der spätere Intendant Markus Hinterhäuser sowie Tomas Zierhofer-Kin für legendäre Kunstereignisse jenseits des etablierten Festspielbetriebs sorgten, machte Landesmanns Liebe zum Zeitgenössischen erst möglich.

Komponist Friedrich Cerha fasste Landesmanns Wirken in dieser Hinsicht so zusammen: „Nicht die Tatsache, dass neue Musik in Salzburg gespielt wird, sondern der Stellenwert, den sie vor allem auf dem Konzertsektor erlangt hat, ist ein anderer geworden.“ Und Markus Hinterhäuser attestierte seinem Mentor eine stets bescheidene, feinsinnige Zurückhaltung: „Hans Landesmann zeigt sich nicht unmittelbar, er hat immer eine gewisse reservierte Haltung, eine noble Distanz“, sagte Hinterhäuser in dem Buch „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“. Für dieses Buch notierte SN-Kulturredakteur Karl Harb 2011 in vielen Gesprächen die Lebenserinnerungen des Weltbürgers Landesmann sowie Aussagen seiner Wegbegleiter.

In Landesmanns „Erinnerungen“ ist ein Kultur-Ermöglicher kennenzulernen, der für diese Profession ungewöhnliche Eigenschaften hatte: höflich, still, feinsinnig und idealistisch.

Dieser Idealismus zeigte sich auch bei seinem letzten großen Engagement für die moderne Musik: 2009, acht Jahre nach seinem Weggang aus Salzburg zu den Wiener Festwochen, konzipierte er die Salzburg Biennale als neues Festival für zeitgenössische Musik und programmierte die Premiere. Auch dabei erfüllte er seine Grundprämisse als wacher Beobachter der Kunst: „Ich glaube nämlich“, sagte er einmal, „dass die wichtigste Aufgabe, die ein Kulturmanager zu erfüllen hat, in einem schöpferischen Dialog mit dem Interpreten besteht. Man muss für den Künstler ein kreatives Haus schaffen, das für weitgehend ideale äußere Bedingungen sorgt, vor Irritationen abschirmt, in dem aber auch eine fruchtbare Auseinandersetzung über künstlerische Ideen und Programme entstehen sollte“. 

Quelle: Salzburger Nachrichten

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