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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Beyond Recall – 12 Uraufführungen zum Kunstprojekt Salzburg

24 AUG 2013

by FESTSPIELKIEBITZ  18:41 h;
veröffentlicht in: Konzert, Allgemein

David Fulmer, Mark Andre, Alexander Stockinger (Librettist), Michael Jarrell, Vito Žuraj, Bruno Mantoviani, Nina Šenk, Vykintas Baitakas, Matthias Pintscher, Dai Fujikura, Jay Schwartz, Olga Neuwirth
Musik antwortet auf die Kunstwerke der Salzburg Foundation

Zwölf Komponisten sind eingeladen, eigens für die Kunstwerke der Salzburg Foundation Kompositionen zu schaffen. Unter dem Titel Beyond Recall präsentieren die Salzburger Festspiele in Kooperation mit der Salzburg Foundation die Antwort der Musik auf die Kunst im öffentlichen Raum.
Im Jahr 2002 hat die Salzburg Foundation mit dem „Kunstprojekt Salzburg“ in der Festspielstadt neue Ufer betreten. Kunst im öffentlichen Raum war damals kein Thema in Salzburg, heute ist der „Walk of Modern Art“ nicht mehr wegzudenken. Innerhalb von zehn Jahren ist einer der international bedeutendsten Skulpturenparcours von höchster Qualität mit namhaften Künstlern entstanden. Zunächst schien es unmöglich und entgegen allen anfänglichen Widerständen ist es nun erfolgreich gelungen. Alle Künstler haben für die von ihnen ausgewählten Plätze Kunstwerke geschaffen. In dieser Konsequenz und Geradlinigkeit ist das „Kunstprojekt Salzburg“ international einzigartig. Die Kunstprojekte der Salzburg Foundation lassen uns die Plätze neu entdecken, ja als solche neu identifizieren: Den Makartplatz mit Anthony Craggs Skulptur Caldera, den kleinen Rasenplatz an der Staatsbrücke mit der Installation Spirit of Mozart von Marina Abramovic, die Senke am Panoramaweg auf dem Mönchsberg mit Mario Merz’ Iglu Ziffern im Wald, den Ursulinenplatz mit Markus Lüpertz’ Mozartskulptur und den Wiesenstreifen am Rudolfskai mit Manfred Wakolbingers Connection.
All diese Orte waren zuvor keine Begegnungsorte, die man bewusst wahrgenommen hat. Die Künstler haben bei ihrer Auswahl auf urbane und ästhetische Empfindungen reagiert. Nun reagieren zwölf Komponisten mit ihren Werken auf die Kunst im öffentlichen Raum. Die Zusammenführung der Ausdrucksformen „Skulptur“ und „Musik“ präsentiert sich in der Aufführung des Konzertes Beyond Recall. Der spezifische, künstlerische Kreis in der Musikstadt Salzburg wird auf diese unvorhergesehene Weise logisch und experimentell geschlossen. „Wir freuen uns auf ein besonderes Klanggemälde, ausgelöst durch die zeitgenössische Moderne“, sagt Karl Gollegger, Präsident der Salzburg Foundation.

Walter Smerling (Künstlerischer Leiter der Salzburg Foundation)

Musik antwortet der Kunst 

„Kunst – dieses Wort sollte man nicht aussprechen, dieses Wort tötet sofort, was es bezeichnet.“ Das schrieb Jean Dubuffet an seinen Förderer Jean Paulhan.
Also sollte man Kunst nur betrachten oder nur zuhören, denn auch Musik ist Kunst – oder gar beides, betrachten und zuhören?
Diesen Versuch, betrachten und zuhören, habe ich mit dem Komponistenprojekt Beyond Recall unternommen. In Salzburg ist mit Hilfe der Salzburg Foundation etwas Seltenes, vielleicht sogar Einmaliges geschaffen worden – und mit zwölf Kunstwerken, zwölf Skulpturen eine Topografie zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum. Denkt man die Geschichte der Musikstadt Salzburg, nimmt man die immer wiederkehrenden großen Musikereignisse dieser Stadt hinzu, dann setzt sich dieser Walk of Modern Art bereits in Beziehung zur Musik – allerdings zur klassischen Musik. Die Klassik ist die Substanz, aus der wir kommen, die zeitgenössische Musik ist dagegen unberechenbarer und unvorhersehbarer.
Walter Smerling sprach mich mit seinem Wunsch an, eine Verbindung dieser Skulpturen zur klassischen Musik zu schaffen. Für mich konnte es nur die zeitgenössische Musik sein, die der zeitgenössischen bildenden Kunst antwortet. Für mich ist die zeitgenössische Musik wie die Luft, die man jetzt im Moment atmet, wie Zeitung lesen – eine Information des Aktuellen, ein Statement des Jetzt, ein Laboratorium –, ist also bestens geeignet, auf das Jetzt der Skulpturen zu antworten. Ich konnte das Scharoun Ensemble gewinnen, ebenso wie Matthias Pintscher – den idealen Komponisten und Dirigenten, um gemeinsam dieses Vorhaben zu entwickeln: mit zwölf Komponisten und deren Auftragswerken jeweils den bildenden Kunstwerken zu antworten.
Es liegt ein großer Reiz darin, dem doch eher Statischen der Skulptur das Leichte, das Vergängliche der Musik entgegenzusetzen. Und doch hat die Musik wie das gesprochene Wort eine große Konsequenz und Bedeutung: genau im Moment des Klanges, im Moment des ausgesprochenen oder gesungenen Wortes ist sie weder rückholbar noch korrigierbar. Das unterstreicht der Titel Beyond Recall, den ich dem Werk der Künstlerin Brigitte Kowanz für dieses Projekt entliehen habe, eigentlich ein militärischer Ausdruck: unwiderruflich; ist der Knopf einmal gedrückt, lässt sich die Aktion nicht mehr stoppen. 
Ich bin dem Scharoun Ensemble und Matthias Pintscher sehr dankbar, dass sie gemeinsam mit mir diese Idee zu diesem Komponistenprojekt entwickelt haben, und Matthias Pintscher, dass er all diese wunderbaren Komponisten gewonnen hat; Walter Smerling für die Anregung zu diesem Projekt; der Salzburg Foundation und ihrem Präsidenten Karl Gollegger für die Umsetzung und Finanzierung des Projektes. Ohne die Unterstützung der Förderer wäre das Projekt in dieser Form natürlich auch nicht möglich geworden – ihnen gilt unser aufrichtiger Dank. Ganz besonders ist hervorzuheben das Engagement von Thaddaeus Ropac und dem Verein der Freunde der Salzburger Festspiele, deren Partnerschaft zum Gelingen wesentlich beigetragen hat; den Salzburger Festspielen und ihrem Intendanten Alexander Pereira, dass er diese zwölf Uraufführungen in das diesjährige Programm aufgenommen hat; der Präsidentin Frau Dr. Rabl­Stadler für ihre Unterstützung; und beiden Institutionen für die engagierte Kooperation.
Ich danke allen zwölf Komponisten!

Bernd Heinrich Dinter (Kurator und Leitung des Kompositionsprojektes „Beyond Recall“)

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