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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Von Alpenvolk zu Alpenvolk

2 AUG 2013

by Raphael Clamer  17:00 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Raphael Clamer (Foto: Sonja Koch)
„Sonntag, 28. Juli 2013 (Ein Sommertag)

Ich fahre mit dem Auto durch das Salzburger Land, diese ausnehmend schöne Gegend. Planlos, mit großen Augen und offenem Mund kurve ich durch das Wiestal. Am Stausee halte ich an und springe in das erfrischende tief türkise Wasser, dann geht’s weiter in Richtung Wolfgangsee, am Fuschlsee vorbei (den möchte ich unbedingt mal zu Fuß umrunden). Ich halte immer wieder an und muss mir die Berge anschauen. Es überkommt mich eine große Sehnsucht, jeden einzelnen zu erklimmen und durch die Wälder zu wandern. Sobald die Proben vorbei sind und wir nur mehr abends spielen, werde ich den einen oder anderen Hügel in Angriff nehmen!

Dann sehe ich eine fast schon vulgär saftige Wiese, halte wieder an und lege mich trotz Allergie ins Gras. Eigentlich bräuchte man nur eine große Gartenschere, eine Salatschüssel, etwas Zitronensaft, Oliven- oder Kernöl, Salz und Pfeffer und man könnte aus dieser Wiese eine Delikatesse machen. Dazu würde natürlich passen: Backhendl, faschierte Laibchen, Beuschel, ein Tafelspitz mit seiner Frittatensuppe, ein Schnitzel, Beiried, nicht zu vergessen die ganzen herrlichen Fische aus den umliegenden Seen, die Flusskrebse, Knödel, frische Paradeiser und Eierschwammerl. Dazu natürlich ein gut gekühltes Glas Grüner Veltliner. Mein Gott, ich komme ins Schwärmen, steige wieder ins Auto und fahre hinunter Richtung Salzburg, um die Probe nicht zu verpassen. Ich fahre durch die Stadt, diese heiße, pulsierende Kulturdampfzentrale und sehe lauter „Wahnsinnige“: Japaner, die bei 40 Grad mit Kameras durch die Stadt hechten, Russen, Amerikaner, Araber, Schweizer, Spanier, Geistliche, Deutsche, Fiaker, die sich einen Weg durch die Massen bahnen, eine Armada von Luxuslimousinen in Reih und Glied vor dem Festspielhaus samt ihren Chauffeuren, die sisyphusmäßig ihre Rückspiegel polieren. Jeden Moment könnte ein VIP von irgendwoher kommen und nach irgendwohin verschwinden. Ich sehe lateinamerikanische junge Menschen mit Instrumentenkoffern lachend vorbeieilen, ich sehe Straßenmusikanten und immer und überall Wolfgang Amadeus! Ausnahmezustand! Toll!

Diese Stadt im Sommer hat doch eine enorme Wirkung auf ihre Einwohner und Besucher. Vielleicht wäre es in einer Studie sogar messbar, dass der durchschnittliche Herzschlag hier um einige hundertstel Sekunden schneller schlägt. Umgeben von der Schönheit der Natur. Eigentlich ein S O M M E R N A C H T S T R A U M.

Genau! Da sind die Athener, in fiebriger Vorbereitung auf die Hochzeit zwischen Theseus und Hippolyta, da sind die jungen Liebenden oder nicht Geliebten oder vor Liebe Verrückten. Da sind die Handwerksleut, die mal was ganz Besonderes machen wollen.

Und da sind die Waldgeister und die Elfen im Mondschein im Traumland und auch die sind im Ausnahmezustand; Oberon und Titania haben einen entsetzlichen Streit, deshalb gewittert und stürmt es auch immer mal wieder zwischendurch.

Also energetisch sehe ich da durchaus einen Zusammenhang. Jetzt ist es natürlich spannend, wohin uns diese Energie noch treibt in der letzten Woche vor der Premiere. Ich muss Schluss machen, weil die Probe ruft. 40 Grad im Residenzhof, glühende Scheinwerfer, dicker Pullover (Kostüm), viel Beinarbeit, geisteskrank, toll!

Mein Name ist Peter Squenz oder Raphael Clamer, auf jeden Fall bin ich Schweizer, glaube ich, oder Lateinamerikaner, aber wer weiß schon so genau, wer er ist oder was er tut in Salzenburgen.

In diesem Sinne …“


Raphael Clamer

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