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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Sven-Eric Bechtolf berichtet über das Schauspielprogramm 2013

12 NOV 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  14:00 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Sven-Eric Bechtolf (Foto: Luigi Caputo)
7359! Diese Zahl lässt die Göttin des Glücks dem „liederlichen Kleeblatt“ – einem Tischler, einem Schuster und einem Schneider – im Traume erscheinen, um die konkurrierende Liebesfee durch einen Lotteriegewinn zu düpieren. Ein böser Geist treibt sein Unwesen, vorzüglich bei jungen Männern, und verleitet sie zu unstatthaften Ausschweifungen, außerdem geht das Gerücht um, ein Komet würde schon bald auf die Erde stürzen. Eine unschuldige französische Viehhirtin empfängt von der Jungfrau Maria ihre Weisungen und zieht geharnischt in den Krieg gegen England. Ein reicher Mann begegnet unverhofft dem Tod, dem Teufel und allerlei anderen emblematischen Gestalten. Zwei Liebespaare werden im Wald und auf der Flucht von Elfen und Feen gefoppt. Eine bildschöne Halbwaise von einer Hexe verfolgt und von Zwergen beheimatet, und ein computergesteuerter Fertigungsarm aus der Automobilindustrie entwickelt ein bedrohliches Eigenleben – derart phantastisch geht es im Schauspielprogramm 2013 zu!

Das Translozieren innerer und irdischer Angelegenheiten in die Sphäre des Wunderbaren, Märchenhaften oder gar Religiösen ist aber keineswegs ein eskapistisches Verfahren: Der Ausflug ins scheinbar Ferne und Jenseitige fördert oft Verstecktes und Diesseitiges umso deutlicher zu Tage.

Die Eröffnungspremiere der Saison 2013 wird den kommenden Sommer natürlich besonders prägen: Es ist die Neuinszenierung des Jedermann auf dem Domplatz. Insgesamt hat der Jedermann seit 1920 zehn Regisseure erlebt, heuer kommen der elfte und zwölfte dazu, denn wir haben den englischen Bühnenbildner und Regisseur Julian Crouch und den amerikanischen Theaterregisseur Brian Mertes gebeten, gemeinsam die Regie zu übernehmen. Die Titelrolle wird von Cornelius Obonya, die Buhlschaft von Brigitte Hobmeier gespielt.

Im Landestheater folgt die Premiere von Schillers Jungfrau von Orleans in der Regie von Michael Thalheimer. Wir koproduzieren diese Aufführung mit dem Deutschen Theater Berlin. Die Titelrolle spielt Kathleen Morgeneyer.

Danach kommt auf der Perner-Insel Nestroys vielleicht größter Erfolg, die Zauberposse mit Gesang Der böse Geist Lumpazivagabundus in der Regie von Matthias Hartmann als Koproduktion mit dem Burgtheater Wien auf die Bühne. Es spielen u. a. Nicholas Ofczarek, Michael Maertens und Johannes Krisch!

Im wunderbaren und als Spielstätte wieder gewonnenen Residenzhof hat wenig später der Sommernachtstraum von William Shakespeare Premiere, inszeniert von Henry Mason, einem jungen österreichischen Regisseur – mit englischen Wurzeln. Auch dies wird ein einzigartiges und vielleicht nur in Salzburg realisierbares Projekt, denn wir führen zugleich die Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy auf. Es musiziert das Mozarteumorchester unter der Leitung von Ivor Bolton.

Am Landestheater folgt unser Stück für Kinder (und Erwachsene), Schneewittchen in der Regie von Nicolas Liautard, den wir mit dieser erfolgreichen Produktion, die 2010 für den „Molière“, den wichtigsten Theaterpreis Frankreichs, nominiert wurde, nach Salzburg eingeladen haben. Sprachbarrieren wird es keine geben – es ist Bildtheater ohne Worte.
Ebenfalls aus Frankreich stammt der Künstler Aurélien Bory, der dieses Jahr das Figurentheater – im weitesten Sinne – repräsentiert: Seine „Puppe“ ist ein Fertigungsarm aus einer Automobilfabrik. Wie sich dieses mechanische Ungetüm belebt, stellt eine hochartistische Meditation über Mensch und Maschine vor, die den Namen Sans Objet – ohne Gegenstand – trägt. Auch hier müssen Sie keine Verständigungsschwierigkeiten befürchten – auch diese Inszenierung braucht keine Worte.

Natürlich bereichert auch weiterhin das YDP, das Young Directors Project, großzügig von Montblanc gesponsert, unser Programm, und wie jedes Jahr werden auch heuer vier junge Regisseure miteinander im Wettbewerb stehen: Die englische Theatergruppe 1927 zeigt ihr Stück The Animals and Children Took to the Streets, der aus dem Irak stammende und in Antwerpen lebende Regisseur Mokhallad Rasem seine Version von Romeo und Julia, der deutsche Regisseur Bastian Kraft, aus gegebenem Anlass, einen etwas anderen Jedermann, und der tschechische Regisseur Jan Mikulášek bringt Buñuels Der diskrete Charme der Bourgeoisie auf die Bühne.

Hier können Sie Genaueres über jede Produktion erfahren, und wir hoffen, dass wir Sie damit neugierig auf den kommenden Sommer machen können. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr
Sven-Eric Bechtolf

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