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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Die Soldaten – die Pferde sind gesattelt und die Premiere steht vor der Tür

20 AUG 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  10:48 h;
veröffentlicht in: Oper

Die Soldaten (Foto: Ruth Walz)
Die letzte Opernpremiere in diesem Festspielsommer wird Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten sein. Das Stück über eine verstoßene Frau galt lange als unaufführbar und auch heute noch als ein extrem schwieriges Werk. Die Zwölftonmusik steht für eine moderne Art der Oper, die Einstudierung ist demnach mit viel Kraft und Ausdauer verbunden. Eine besonders anspruchsvolle Szene, die berühmte Traumszene, bei der 20 ProtagonistInnen gleichzeitig singen, beschreibt Ingo Metzmacher, der musikalische Leiter der Produktion, folgendermaßen: „Weil das so extrem schwierig ist, hat man sich früher damit beholfen, es aufzunehmen und dann zuzuspielen. Ich wollte, dass es live gemacht wird, und habe in einer Probe mit allen Mitwirkenden diese Stelle ganz ruhig aufgebaut, zuerst nur über Text und Rhythmus. Denn man kann das nicht fünf Mal hintereinander singen. Man kann es eigentlich nur ein Mal singen. … Das war für uns alle wie Bungee-Jumping oder Ähnliches. Man muss sich da reinschmeißen, man kann das nicht nur mit 95 Prozent singen.“*

Auch wenn Metzmacher sich nicht der Meinung anschließt, das Stück wäre unspielbar, so muss er doch eingestehen, dass das wohl die intensivsten Proben sind, die er je erlebt hat. Das Schwierige an Zimmermanns Musik ist die extreme Lage in den Gesangspartien. Das Orchester wechselt ständig zwischen extrem hohen und extrem tiefen Tönen. „Von 88 Tönen, die eine Klaviertastatur umfasst, kommt jeder Ton in diesem Werk mehrfach vor“, so Ingo Metzmacher. Ursprünglich war das Werk so angelegt, dass es für eine Aufführung sechs Dirigenten gebraucht hätte. Um es leichter auf die Bühne zu bringen ließ sich Zimmermann erweichen, die sieben verschiedenen Temposchichten doch durch Taktstriche miteinander zu verbinden. Eine besondere Herausforderung stellt das Werk jedoch immer noch dar. Metzmacher über die Emotionalität des Stückes: „Das Problem ist für alle und auch für mich, die technischen Herausforderungen so weit zu beherrschen, dass man ein bisschen loslassen kann.“ Auch Alvis Hermanis spricht von einer Eingewöhnungszeit, die man benötigt, um sich an Zimmermanns Tonsprache zu gewöhnen. Dies gilt auch für Musiker, die hierbei mit ihrer Stimme extrem akrobatisch umgehen müssen.


Zusätzlich spannend wird es durch weitere Kollegen auf der Bühne, einige Noriker-Pferde aus Kuchl. Auch wenn die Vierbeiner seit Wochen in ihren Ställen Zimmermanns Musik gehört haben und bestmöglich vorbereitet wurden, so ist es doch eine besondere Situation für alle Beteiligten. Nach nur vier Proben, bei denen die Pferde dabei waren, wird am Montag, 20. August, die Premiere stattfinden.

Für diese außergewöhnliche Operninszenierung in der Felsenreitschule haben Sie hier noch die Möglichkeit Tickets zu erwerben.

*Einige Informationen und die Zitate im Text entstammen einem Gespräch in den Salzburger Nachrichten, das die Journalistin Erika Pichler mit Ingo Metzmacher geführt hat.

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