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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

„Sich ewig wiederholend“

5 AUG 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  13:35 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Javier Pérez: El Carrusel del Tiempo 2012 (Foto: Luigi Caputo)
Im Karl-Böhm-Saal realisierte der spanische Künstler Javier Pérez eine Installation in Assoziation mit Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten. 17 Paare finden sich zu einem monotonen, sich aber­mals und abermals wiederholenden Tanz zusammen. Angeordnet sind sie nach einer strengen Symmetrie, einem Mandala gleich, in großen und kleinen Kreisen, die ineinander­fließen – und die in ihrer Ordnung doch zugleich ein Chaos an Schnüren und Schuhen und Paaren und Figuren zeigen. Im Zentrum schließlich ein Grammophon – denn was wäre ein Tanz ohne Musik? 

Gerade aber die Einspielung der Tanzmusik hat zu Irritationen beim Festspielpublikum geführt, weshalb wir den Zusammenhang an dieser Stelle erläutern dürfen. Javier Pérez hat sich in zweierlei Hinsicht auf den Komponisten Zimmermann eingelassen: „Zeit: gestern, heute und morgen," steht in der Partitur der Soldaten geschrieben, „also an jedem beliebigen Tag. Sich ewig wiederholend", erläutert Ingo Metzmacher, der Dirigent der Produktion in der Felsenreitschule. – Das sich stetig Wiederholende ist auch das grundlegende Moment der Installation von Pérez. Und auch hier wird das Zugleich von gestern, heute und morgen fühlbar und irritiert. 

In Zimmermanns Oper wird die Gleichzeitigkeit der Ereignisse durch komplexe Simultanszenen ausgedrückt: Musik, Dramatik, Ballett, Pantomime und Film fließen ineinander. Und dazu verwendete er unterschiedlichste musikalische Stile zur Ausgestaltung der Oper. Zitate aus verschiedenen musikgeschichtlichen Epochen fließen in seine Partitur ein – „an einer Stelle des Werkes ,verwandelt‘ sich das Orchester gar in eine Jazzband“. Und genau auf dieses Bild rekurriert Javier Pérez mit seiner Musikauswahl, wenngleich sie naturgemäß seiner eigenen künstlerischen Intention folgt, denn: „Ich wollte kein Werk schaffen, das die Oper oder die Gedanken von Zimmermann illustriert.“

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