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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Blogbucheintrag 0.2 – Salzzeit P.01 – 2. junger Offizier – Monostatos – Parpignol – YSP

31 JUL 2012

by Paul Schweinester  10:20 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

(Foto: Hans Schubert)
Allerliebstes Blogbuch,

schön, dass es dich noch gibt und ich die Möglichkeit habe, dir von meinen letzten zwei sehr intensiven Wochen zu erzählen.

Gestern gab es so eine Art Soldaten-Richtfest, da die halbe Probenzeit überstanden ist und das Ergebnis sich laut Regisseur und Dirigent hören und sehen lassen kann. Aus meiner Perspektive ist es noch etwas unklar, aber das ist ja das Gute, dass es die erfahrene Instanz von Außen gibt. Der Regisseur kann von außen mit seiner Phantasie und der Vorstellung der restlichen Arbeitsschritte die einzelnen Szenen wie Puzzlestücke zu einem gesamten Bild zusammenfügen.

Leider wurde es mir aus Gründen der Verschwiegenheit verwehrt, Fotos von den Kostümanproben für die Soldaten zu zeigen. Aber erzählen kann ich ja davon. Zeitlich sind wir im Ersten Weltkrieg angesiedelt und daher rührt auch mein neuer Haarschnitt, der mir von Volker aus der Maskenabteilung, ich würde sagen, geschoren wurde. Die Kostüme sind ganz militärisch gehalten und wir sind klarerweise alle uniformiert und einfach dreckig und abgemüht von den Jahren des Kampfes und der Entbehrungen. 

Ganz anders sind die Kostüme in der Zauberflöte für Kinder, in der ich in die Rolle des Monostatos (laut Mozarts Autograph: Manostatos – was so viel wie „der Verkümmerte“ heißt) übernehmen darf. Diese Inszenierung wurde schon vor sieben Jahren in Zürich aufgeführt und hat laut Regisseur Uli Peter seither an die 400 Reprisen erlebt. Die Kostüme wurden teilweise erneuert und an die Maße der neuen Besetzung angepasst. Das Bühnenbild, ein überdimensionales Buch mit verschiedenen Seiten, die die einzelnen Szenen unterstreichen, wurde in den Jahren immer wieder liebevoll renoviert, um die Gebrauchsspuren zu verstecken, aber eine gewisse Patina ist dem Bühnenbild doch nicht abzuerkennen, was es mir aber total sympathisch macht.

Und wiederum ganz anders ist mein Kostüm für Parpignol in La bohème. Hier habe ich nämlich gar keines an. Die Rolle wird in dieser Inszenierung von der Seitenbühne aus gesungen und ein Akrobat wird vom Schnürboden aus in einem Fluggurt auf die Bühen hinuntergelassen und schwingt sich dann mit Kopfüberdrehungen wie ein Superheld zurück in die Hemisphären, aus denen er gekommen ist. Aber nichtsdestotrotz freue ich mich auf diese Aufgabe. Es ist einfach fabelhaft, dieser so effektvollen und emotional so ergreifenden Musik in der Interpretation von diesen  international renommierten Künstlern lauschen zu dürfen und für ganze sechs Takte ins Geschehen einzutauchen.

Am vergangenen Sonntag wurde mir die Ehre zuteil zwei Brahmslieder für Christa Ludwig zu singen. Während dieses internen Meisterkurses in einem Proberaum im Haus für Mozart mit Aussicht auf den Untersberg ging ein Sommergewitter nieder, wie es für Salzburg eigentlich typisch ist. Jedoch, das Besondere daran war, der Musik Schönbergs, Brahms und Wolfs zu lauschen, interpretiert von anderen jungen Kollegen und Kolleginnnen, dazu die unglaublich interessanten Bemerkungen und Ratschläge der 85-jährigen, vor Energie sprühenden Christa Ludwig und im Hintergrund die Natur wirken zu sehen. Ich dachte mir einfach: Wie toll dies zu erleben, was für ein unvergesslicher Moment.

Bis zum nächsten Eintrag wird wieder einiges an Regen auf die Dächer Salzburgs fallen, aber es kommt mir keineswegs vor, als könnte dieses Wetter auch nur ein bisschen der guten Festspiellaune trüben.

Bis bald,

Paul Schweinester

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