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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Ein Gespräch mit Schauspielchef und Regisseur Sven-Eric Bechtolf über die außergewöhnliche Inszenierung von Ariadne auf Naxos

12 JUN 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  09:52 h;
veröffentlicht in: Oper

Sven-Eric Bechtolf, Schauspieldirektor (Foto: Luigi Caputo)
Ganz unten auf der Programmankündigung finden sich zwei Namen, die dort eigentlich gar nicht hingehören: „Hofmannsthal“ und „Ottonie“. Natürlich, ohne sein Libretto ist die Oper nicht denkbar – ebenso wenig aber ohne die innige Beziehung beider. Ohne sie und ihre außergewöhnliche Freundschaft. „Da war die junge Witwe Ottonie von Degenfeld“, sagt Bechtolf, „die sehr früh, mit 21, ihren Mann verlor, ein Verlust, unter dem sie über die Maßen gelitten hat. Heute würde man wohl sagen, sie war schwer depressiv.“ Doch die lebensfrohe Gräfin hatte gute Freunde in der Not, und der beste Freund einer ihrer Freunde war Hugo von Hofmannsthal. Ende 1906 trägt er sich erstmals in das Gästebuch auf Schloss Neubeuern in der Nähe von Rosenheim ein. Und macht gleich darauf keinen Hehl aus seiner Verzückung: „Die ist unglaublich nett! So etwas Liebes und Freudemachendes.“ So beginnt eine Freundschaft, die bis an Hofmannsthals Lebensende reichen sollte. „Er hat sich rührend um sie bemüht“, weiss Bechtolf, „am Anfang hat man noch das Gefühl, dass es da einen therapeutischen Gestus gibt, der sich jedoch sehr rasch in einen amourösen verwandelt. Und so beginnt die hochkomplexe Liebesgeschichte zwischen den beiden.“

Im Vorspiel der Oper etwa lässt Hofmannsthal den „Komponisten“ über Ariadne sinnieren: „Sie gibt sich dem Tod hin – ist nicht mehr da – weggewischt – stürzt sich hinein ins Geheimnis der Verwandlung – wird neu geboren – entsteht wieder in seinen Armen. Daran wird er zum Gott.“ Wer? Bacchus? Oder Hofmannsthal? Mit seiner Oper, davon ist Bechtolf überzeugt, hat er um Ottonie geworben – und das müsse ihm sehr klar gewesen sein. Der Briefwechsel zwischen ihnen gehöre, zumindest in den leidenschaftlichen Anfangsjahren, „zum Seltsamsten, zum Verborgensten, aber auch zum Verbogensten, das ich kenne.“

Die Uraufführung in Stuttgart, die zur Feier aller theatralen Künste: der Oper, des Schauspiels und des Balletts, hätte werden sollen, war ein Desaster. Zum 100. Jubiläum  der Uraufführung wagt Sven-Eric Bechtolf mit seiner Bearbeitung für Salzburg erneut den großen Wurf. „Gerade hier könnte das funktionieren. Es ist natürlich ein Risiko, das bekannte Vorspiel fallen zu lassen, aber andererseits sind die Musikstücke, die Strauss für die ursprüngliche Fassung geschrieben hat, auch hinreißend schön. Ich finde, es steht besonders den Festspielen gut zu Gesicht, in Erinnerung an die Grundideen des Theatergenies Reinhardt noch einmal daran anzuknüpfen.“

Erfahren Sie hier mehr über die Hintergründe und Bechtolfs Neuinszenierung der Oper Ariadne auf Naxos im Rahmen der Salzburger Festspiele. Peter Arp hat sich mit dem Regisseur über die Arbeit an dem Werk unterhalten.


Weitere Informationen und Tickets für die Oper, die am 29. Juli 2012 im Haus für Mozart Premiere feiert, bekommen Sie hier.

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