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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Im Gespräch mit der Finalistin des Young Conductors Awards - Mirga Gražinytė-Tyla

17 APR 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  11:50 h;
veröffentlicht in: Konzert

Mirga Gražinytė-Tyla (Foto: Tomas Kapocius)
Am 28. und 29. findet das Award Concert Weekend im Rahmen des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Awards in der Felsenreitschule statt. Wir möchten Ihnen gerne die drei Finalisten vorstellen und haben Ihnen einige Fragen zu ihrer Person, ihrer Liebe zur Musik und das Finale, welches sie bestreiten müssen, gestellt. In drei aufeinander folgenden Blogs können Sie sich einen Eindruck von Mirga Gražinytė-Tyla, Christian Baldini und Jamie Phillips machen. Ganz nach dem Motto „Ladies first“ beginnen wir mit der aus Litauen stammenden Mirga Gražinytė-Tyla, die am 29. April 2012 um 19:30 Uhr die Camerata Salzburg und den Solisten Dan Zhu dirigieren wird.

1) Was bedeutet es Ihnen, Finalist des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award zu sein?
Für mich bedeutet es ein Geschenk und eine große Freude. Freude, ein Konzert mit drei Meisterwerken und so einem hochkarätigen Orchester wie der Camerata Salzburg vorzubereiten. Freude, sich der Welt der Salzburger Festspiele – das Paradies für Musik – zu nähern, die ich aber noch nie live erleben konnte. Freude, die zweite (nach dem 3-jährigen Bachelor-Studium in Graz blieb dieses Gefühl in meiner Wahrnehmung) und die musikalische (viele Entscheidungen und Entwicklungen habe ich diesem Land zu verdanken) Heimat Österreich wiederzusehen und dort wieder aktiv zu sein.

2) Woran denken Sie, wenn Sie die Worte „Salzburg“ und „Salzburger Festspiele“ hören?
Wenn man „Sony“ hört, denkt man gleich an die zweifellos höchste technische Qualität. Ein ähnliches Gefühl erregen die Worte „Salzburger Festspiele“. Und die Salzburger Luft kann ich nicht anders riechen, als nur mit der Vorstellung, sich von der Luft Mozarts zu ernähren.

3) Was ist Ihre musikalische Richtschnur, was treibt Sie in Ihrer Karriere an? Haben Sie ein Vorbild?
Der wichtigste Drang, für die und mit der Musik zu leben, ist die Musik selbst. Aus ihr schöpft man die Kraft und die Inspiration, den Weg – das Wort „Karriere“ mag ich nicht so sehr – immer weiter zu gehen. Die weitere Inspirationsquelle sind die Kollegen und die Musiker, mit denen wir gemeinsam arbeiten. Als Dirigent muss man zwar viele Stunden Einsamkeit durchleben – profunde Partiturkenntnisse kann man nicht ohne dem Phänomen „allein in der Wüste“ erreichen. Trotzdem sind wir in einer bestimmten Weise weniger einsam als viele andere Musiker. Ein Pianist will zwar mit dem Publikum sprechen, aber dies bleibt bei einem Monolog-Charakter. Eine der Hauptaufgaben eines Dirigenten ist zu kommunizieren, zu vermitteln, die Impulse der anderen aufzunehmen und auf sie zu reagieren. Das Erlebnis „Musik heißt zusammen“ ist ein riesiges Geschenk. Natürlich gibt es Vorbilder – andere Dirigenten, von denen man lernt. Am besten und am schönsten ist es, wenn jeder Kollege, nicht nur die großen, genialen Dirigenten, zum Lehrer wird. Niemals sollte man sagen oder denken: ich kann es besser. Viel lieber sich freuen, dass der andere Gaben hat, die sich von den meinigen unterscheiden, und versuchen, etwas davon mitzunehmen, sich reicher machen lassen.

4) Was bedeutet Ihnen Musik im Allgemeinen? Was möchten Sie in Ihrem Leben erreichen?
Als ich klein war, verglich ich Musik gern mit einem Menschen. Einem, der dich immer erwartet, dir zuhört, dich für deine Mühe und Aufmerksamkeit zehnfach belohnt. Diese Eigenschaften empfinde ich auch jetzt ähnlich. Immer kostbarer wird aber das schon erwähnte gemeinsame Erleben, gemeinsame Gebären der Musik. Musik als Beruf – Musik als BERUFUNG – auszuleben ist einerseits ein Privileg. Ich versuche, in jedem Augenblick dessen bewusst und dadurch endlos glücklich zu sein. Auf der anderen Seite ist Musik eine schwere Arbeit, die, wie jede andere Beschäftigung, Ausdauer, Geduld und Mühe verlangt – je professioneller sie ausgeübt werden soll, desto mehr davon. Mich bewegt auch der Begriff des Opfers. Mit einer ernsthaften Entscheidung, der Berufung der Musik zu folgen, verpflichtet man sich dafür und verzichtet auf viele Dinge. Ich persönlich empfinde und gleichzeitig liebe diesen asketischen Moment, der zur Glückseligkeit führt.

5) Welche berufliche Erfahrung hat Sie am meisten beeinflusst?
Jedesmal wird das Musizieren zur höchst inspirierenden Erfahrung, wenn die persönliche Hingabe und das gemeinsame Teilen des Wunders MUSIK da sind.

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