EN
DE

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Irina Brook probt "Peer Gynt"

3 MAI 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  12:02 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Workshop mit Irina Brook in Paris
„Ich bin mir ganz sicher, wenn ich meine Schauspieler bewundere und liebe, dann überzeugen sie auch auf der Bühne. Denn das ist meine Aufgabe: diese Menschen zum Leuchten zu bringen.“ Die Künstlerin Irina Brook wurde in eine Theaterfamilie geboren. Als Tochter des Regisseurs Peter Brook und der Schauspielerin Natasha Parry war sie zeitlebens in Kontakt mit dem Theater. Sie ist auf den Bühnen beiderseits des Atlantiks beheimatet. Vor allem in Frankreich feiert sie große Erfolge, auch wenn ihre Muttersprache Englisch ist. Dieser Wechsel zwischen Sprachen, Kulturen und Theaterformen scheint für Irina Brook so natürlich wie das Atmen.

So verwundert es auch nicht, dass ihre Neuinszenierung von Peer Gynt bei den Salzburger Festspielen dieses Jahr eine multikulturelle Inszenierung wird. Gemeinsam mit Schauspielern und Musikern, zum Beispiel aus Indien, Spanien, Japan oder Ruanda, arbeitet Irina Brook an dieser Produktion. Für die Proben nimmt sie sich besonders viel Zeit und greift zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Aktuell manövriert sie sich sowie 20 Schauspieler und Musiker bei einer von drei Vorproben durch ein buntes Durcheinander an Sprachen und Nationalitäten, an Vielfalt, Kreativität und künstlerischer Energie. Brook hat ihre Truppe zwei Tage lang in ihr Haus in Verrière-le-Buisson, eine Kleinstadt südlich von Paris, eingeladen. Doch es wirkt nicht wie Arbeit. Vielmehr scheint es, als hätte sie sich die schönen Seiten des Lebens nach Hause geholt. Alle sitzen oder liegen im Kreis und lesen Szenen. Gesang, Musik und Spiel mischen und durchdringen sich. Dieser offene Zugang lässt viel Raum für Improvisation und Entdeckungen.

Der Isländer Ingvar E. Sigurdsson, der die Rolle des Peer Gynt spielt, beginnt nach einem gemeinsamen Picknick einen seiner langen Monologe einfach einmal zu rappen. Klingt gut, hat Schwung und Rhythmus. Das brachte den Stein ins Rollen. Aus Peer wird zusehends ein Rockstar, dessen beste Zeiten schon hinter ihm liegen. Sigurdsson ist begeistert von der Arbeit mit Brook. „Irina erzeugt diese zwanglose, offene Arbeitsatmosphäre und umgibt sich dabei mit Leuten, die genau so denken und handeln. Ich hab mich hier von Anfang an extrem wohlgefühlt. In einem so internationalen Kontext habe ich bisher noch nicht gearbeitet. Toll, das kann die Welt nur besser machen“.

Irina Brook betont, dass ihr vor allem Respekt und ein liebevoller Umgang in der Zusammenarbeit sehr wichtig sind. „Es ist, als ob diese Spieler meine Kinder wären und ich bewundere alles, was sie tun. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch streng bin. Sie sind keine verzogenen Kinder, die alles bekommen, was sie wollen. Aber meine Zuneigung zu ihnen ist grenzenlos. Ich schätze meine Schauspieler zuerst und vor allem als Menschen, und ihre Unverwechselbarkeit, ihr Talent.“

Dieses Talent kann im Sommer bei den Salzburger Festspielen bewundert werden. Die Premiere von Peer Gynt findet am 30. Juli 2012 um 19:30 Uhr auf der Perner-Insel in Hallein statt. Karten und weitere Informationen finden Sie hier.

Hier können Sie sich zudem einen Podcast über die Proben mit Irina Brook anhören.

LOGIN | PASSWORT VERGESSEN