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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ – Passion fern von Paradeuniformen

26 MÄR 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  10:41 h;
veröffentlicht in: Oper

Entwurf von Eva Dessecker
Eva Dessecker fühlte sich von Anfang an von Hermanis’ Regiestil angesprochen. Gerade weil er manchmal etwas wortkarg sei, biete er Freiräume und fordere so regelrecht Kreativität ein. Zu Salzburg schwärmt sie: „Die Werkstätten der Salzburger Festspiele vertiefen sich wunderbar in Details und stellen Neues her, was dann alt aussehen soll. Für mich sind diese Werkstäten ein Paradies. Es ist toll, dass sich die Festspiele über dieses komplexe, in allen Facetten aufwendige Stück trauen.“

Das Team von Alvis Hermanis hat die Geschichte der Soldaten im Ersten Weltkrieg angesiedelt. „Aber wir wollen keine geschichtliche Abbildung machen, sondern eine menschliche. Uns geht es nicht darum, eine bestimmte Zeit zu definieren, sondern um die schreckliche Masse Mensch. Wozu ist er fähig, wenn er losgelassen wird?“ Folgerichtig komme es ihr bei den Kostümen darauf an, nicht die schöne Seite des Krieges mit Paradeuniformen und glänzenden Knöpfen zu zeigen, sondern dessen grausame Seite. „Die Kostüme werden also sehr realistisch zerlebt sein, und dabei interessiert uns nicht der Rang einer bestimmten Person. Die Epoche drückt sich eher in der zivilen Welt aus, und die ist im Werk durch die Frauen definiert“.

In die Arbeit fließen dann durchaus persönliche Erfahrungen ein: „Im Zuge meiner Recherche bin ich auf eine ganz private Geschichte gestoßen“, erzählt Dessecker weiter. „Ich las den Briefwechsel meiner Großonkel, die beide im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Die beiden Brüder meldeten sich freiwillig zum Militär und schildern in den Briefen ihren Alltag. Vom ursprünglichen Helden- und Männertum bleibt am Ende der 200-seitigen Familiengeschichte nichts als Desillusionierung. Meine Urgroßmutter hatte noch dazu einen Stoffladen – die Parallele zu den Soldaten, in denen der Tuchhändler Stolzius mit der Tochter eines Galanteriehändlers verheiratet werden soll, berührt mich sehr.“

Die Leidenschaft für historische, detailgenaue Kostüme kennzeichnet die Qualität der Arbeit von Eva Dessecker, die auch Alvis Hermanis schätzt. „Sobald ich mich mit einer festgelegten Zeit beschäftige, muss ich mir viele Fragen stellen, zum Beispiel: Wie wurde etwas hergestellt? Was waren das für Stoffe? Das Kostüm muss das Gefühl vermitteln, ganz dicht dabei zu sein.“

Eva Dessecker ist seit 1992 als selbständige Kostüm- und Bühnenbildnerin an internationalen Häusern tätig. Ihre erste Produktion mit Alvis Hermanis war 2011 Platonov am Wiener Burgtheater, jüngst eingeladen zum renommierten Berliner Theatertreffen 2012. Danach folgten ebenfalls am Burgtheater Wien Das weite Land und Eugen Onegin an der Berliner Schaubühne.

Für die Soldaten können Sie hier Karten buchen.

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