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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Thomas Quasthoff nimmt Abschied von der Konzertbühne

11 JÄN 2012

by FESTSPIELKIEBITZ  16:57 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Thomas Quasthoff (Foto: Andre Rival)
Der deutsche Bassbariton Thomas Quasthoff hat sich entschieden, seinen Abschied von der Konzertbühne zu nehmen und seine beinahe 40 Jahre andauernde, beispiellose Karriere als Sänger zu beenden. „Ich habe mich entschlossen, mich nach fast 40 Jahren aus dem Konzertleben zurückzuziehen, weil es mir meine Gesundheit nicht mehr erlaubt, dem Anspruch, den ich immer an mich selber und an die Kunst gestellt habe, gerecht werden zu können. Ich habe dem Beruf sehr viel zu verdanken und gehe ohne Bitterkeit. Im Gegenteil – ich freue mich auf neue Herausforderungen, die es in meinem Leben geben wird. Ich bedanke mich bei allen Musikerkolleginnen und -kollegen, mit denen ich gemeinsam auf der Bühne stehen durfte, bei allen Veranstaltern und bei meinem Publikum für ihre Treue“, meint Thomas Quasthoff dazu in seiner offiziellen Erklärung.


"Ein Mensch wie Thomas Quasthoff ist für die Salzburger Festspiele schlicht unersetzlich. Seine in jeder Beziehung besondere Stimme hat Publikum wie Kritik gleichermaßen berührt, beeindruckt und oft erschüttert. Quasthoff war seit 2002 der Gestalter unvergesslicher Liederabende. Er stand außerdem 2003 bei den Salzburger Osterfestspielen im "Fidelio" erstmals auf einer Opernbühne. 2004 folgte sein Auftritt auf der Bühne der Wiener Staatsoper als Amfortas." So kommentierte die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, die traurige Nachricht, dass sich Thomas Quasthoff von der Konzertbühne zurückzieht.


Intendant Alexander Pereira bedauert es sehr, dass sich Thomas Quasthoff von der Konzertbühne zurückzieht. „Er war und ist ein ungeheures Vorbild nicht nur als Sänger, sondern auch als Mensch. Die Tatsache, dass er als Lehrer und in Meisterkursen weiter aktiv bleibt, ist ein Glücksfall. Selbstverständlich stehen ihm in dieser Tätigkeit in Salzburg alle Türen offen.“

Quasthoff wird sich weiterhin intensiv dem Sängernachwuchs widmen und wie bisher an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin sowie bei internationalen Meisterkursen unterrichten. Thomas Quasthoff hatte sich seit Jahren intensiv dem Liedgesang verschrieben und als Konsequenz 2009 den internationalen Liedwettbewerb „Das Lied“ ins Leben gerufen, dem er auch in Zukunft als künstlerischer Leiter vorstehen wird. Des Weiteren wird er als Sprecher, bei Lesungen und im Rahmen der neuen Reihe Thomas Quasthoffs Nachtgespräche im Konzerthaus Berlin auf der Bühne zu erleben sein.


Bei den Salzburger Festspielen gab der Bassbariton zuletzt 2009 einen Liederabend und trat mit den Berliner Philharmonikern in Haydns Oratorium Die Jahreszeiten auf.


Von Thomas Quasthoffs Rückzug ist auch der für die Salzburger Festspiele geplante Liederabend am 18. August betroffen. Wir sind bemüht, Ihnen einen Ersatz umgehend bekannt zu geben.



Thomas Quasthoff erhielt seine Ausbildung bei Charlotte Lehmann und Ernst Huber-Contwig in Hannover und machte früh durch Wettbewerbserfolge, darunter der Erste Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD im Jahr 1988, auf sich aufmerksam. Er zählte zu den führenden Lied- und Konzertsängern und gastierte in allen bedeutenden Musikzentren der Welt. Er war Artiste étoile beim Lucerne Festival, Artist in Residence im Wiener Musikverein und im Amsterdamer Concertgebouw und als Perspective Artist mit mehreren Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall zu Gast. Seine Engagements brachten ihn mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Bernard Haitink, Mariss Jansons, Kurt Masur, Seiji Ozawa, Sir Simon Rattle, Helmuth Rilling, Christian Thielemann, Franz Welser-Möst und den renommiertesten Orchestern zusammen. Er gastierte bei den Festivals von Salzburg, Edinburgh, Luzern, Verbier, der Schubertiade Schwarzenberg, in Schwetzingen und Schleswig-Holstein sowie beim Ravinia Festival und in Tanglewood.

Die Vielseitigkeit des mehrfachen Grammy-Preisträgers bezeugen auch seine CD-Einspielungen mit Liedern von Schubert, Brahms, Liszt und Mahler, geistlichen Werken von Bach und Mozart bis zu einem Jazz-Projekt gemeinsam mit Till Brönner. Zu seinen jüngsten Aufnahmen zählt ein Album mit italienischen Arien von Joseph Haydn.

Sein Operndebüt gab Thomas Quasthoff bei den Osterfestspielen Salzburg 2003 als Don Fernando in Beethovens Fidelio unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Im April 2004 folgte sein Debüt an der Wiener Staatsoper als Amfortas in einer Neuproduktion von Wagners Parsifal.

Thomas Quasthoff widmet sich intensiv dem Sängernachwuchs. Er lehrte von 1996 bis 2004 an der Hochschule für Musik Detmold; seither hat er eine Professur an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin inne. Überdies ist er Künstlerischer Leiter des 2009 erstmals ausgetragenen und von ihm initiierten Internationalen Liedwettbewerbs „Das Lied“ in Berlin.

Thomas Quasthoff ist Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und wurde 2006 mit dem Europäischen Kulturpreis geehrt. 2009 wurde ihm der Herbert-von-Karajan-Musikpreis zugesprochen und der Titel Österreichischer Kammersänger verliehen.

Thomas Quasthoff nimmt exklusiv für die Deutsche Grammophon auf.

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