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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Jedermann tritt seine Reise zum 600. Mal an

29 AUG 2011

by FESTSPIELKIEBITZ  09:00 h;
veröffentlicht in: Schauspiel, Allgemein

Jedermann: Buhlschaft und Jedermann (Birgit Minichmayr, Nicholas Ofczarek), Foto: Hermann und Clärchen Baus
Der Jedermann ist bekannt wie ein bunter Hund – und obwohl er heuer bereits zum 600. Mal auf die gleiche Weise in Salzburg lebt und stirbt, ist die Geschichte rund um den letztendlich reuigen Sünder aktueller denn je. Die Gier nach Geld und Macht und die Fragen nach Verantwortung und Vergebung waren und sind zu allen Zeiten wichtige Themen, denn der Mensch ist der Mensch – und doch darf er, wie der Jedermann zeigt, bis zum Schluss hoffen.

Die Anfänge der Erfolgsgeschichte des Jedermann liegen im Jahr 1911. Damals – also vor 100 Jahren – fand die Uraufführung des Stücks in Berlin statt. 1920 brachte Max Reinhardt das Spiel vom Sterben des reichen Mannes von Hugo von Hofmannsthal auf dem Domplatz zur Aufführung. Dies war der Beginn für den Jedermann bei den Festspielen, ja für die Festspiele überhaupt. Die Titelrolle spielte bis zum Jahr 1931 Alexander Moissi, der diese schon bei der Uraufführung in Berlin interpretiert hatte.

Der Stoff, aus dem die Geschichte gewoben wurde, ist alt und trat schon früh in Erscheinung. So gab es bereits eine mittelenglische Morality (volkstümliche Theaterform seit dem 14. Jhdt.) mit dem Titel The Somonynge of Everyman (Jedermanns Vorladung) von einem anonymen Verfasser. Das damalige Stück umfasst an die 900 Verse und wurde unter Heinrich VIII. 1529 das erste Mal gedruckt. Daneben entstand etwa zur gleichen Zeit das flämische Jedermann-Drama Elckerlijc (Diesthemius). Um 1903 begann Hofmannsthal, inspiriert durch den Brief eines Freundes mit Textproben einer Aufführung aus London, an einer eigenen Fassung zu arbeiten. 1911 kam das Stück dann im deutschsprachigen Raum unter der Regie von Max Reinhardt zur Aufführung. Seit 1920, mit dem Startschuss auf dem Domplatz, ist der Jedermann aus Salzburg nicht mehr wegzudenken.

Namhafte Jedermänner und umwerfende Buhlschaften haben seither die Salzburger Festspiele nachhaltig geprägt und das Publikum beeindruckt. Da dürfen natürlich ein Will Quadflieg oder Curd Jürgens nicht unerwähnt bleiben. Unvergessen auch die Auftritte von Maximilian Schell, Klaus Maria Brandauer, Helmuth Lohner oder Gert Voss. Peter Simonischek spielte den Lebemann acht Saisonen hindurch mit ungebrochenem Erfolg.

Die Buhlschaft in dem moralischen Schauspiel wurde mit den Jahren und den klingenden Namen zum Inbegriff des ewig lockenden Weibes. So bleiben dem Publikum unter vielen anderen besonders die Namen von Judith Holzmeister, Christiane Hörbiger, Senta Berger oder Veronica Ferres in schöner Erinnerung. Die Rollen des Jedermann und der Buhlschaft wurden und werden bei den Salzburger Festspielen immer hochkarätig besetzt und gelten als eine besondere Auszeichnung der Spielenden. Somit verwundert es nicht, dass neben der Geschichte, die ihren Reiz nicht verloren hat, die Schauspieler vor einer beeindruckenden Kulisse dem Jedermann immer wieder aufs Neue Glanz verleihen. Die 600. Aufführung wird am 29. August um 17:00 Uhr mit einem kraftstrotzenden Nicholas Ofczarek und einer strahlenden Birgit Minichmayr wieder für verdienten Jubel bei hoffentlich schönem Wetter auf dem Domplatz sorgen. 

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