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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Das Vorgefundene erfinden

4 AUG 2011

by FESTSPIELKIEBITZ  19:04 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Anna Viebrock, Foto: Wildbild
Anna Viebrocks Arbeiten gelten als einzigartige Zeugnisse der postmodernen Theaterentwicklung in den vergangenen 20 Jahren. Ihre Erfindungen als Bühnenbildnerin und zunehmend auch als Regisseurin für Sprech- und Musiktheater entwickelten sich mit Beginn der 1990er Jahre durch die Zusammenarbeit mit den Regisseuren Christoph Marthaler und Jossi Wieler zu einer unverwechselbaren Erfolgs- und Wirkungsgeschichte im deutschsprachigen und internationalen Theater und beeinflussen Theatermacher, aber auch Künstler und Architekten im In- und Ausland.

Prägend für Viebrocks Arbeiten ist ein feinnerviger, subversiver Realismus. Sie stecken voll surrealer Logik und überraschender Mechanik, die jedem Anschein von Alltäglichkeit zuwiderlaufen. Viebrock dekonstruiert Architekturen von Garagen, Schiffen, Bierzelten, Bunkern, Kirchen oder Flugzeugkabinen u.v.m. und setzt diese in ihren Bühnenbildern zu komplexen und hyperrealen Räumen neu zusammen. Auf diese Weise entstehen rätselhafte Räume des Erinnerns und Überlebens, verbaute Systeme, welche die Schauspieler wie Labyrinthe durchqueren.

Die umfassende Monografie Das Vorgefundene erfinden knüpft an das erste Buch von Anna Viebrock an, das vor genau zehn Jahren erschienen ist (Damit die Zeit nicht stehen bleibt, Theater der Zeit). Seither hat sie zahlreiche Bühnenräume und Kostümbilder für Christoph Marthaler, Jossi Wieler, Hans Neuenfels und Meg Stuart erfunden; u.a. für das Zürcher Schauspielhaus, den Papstpalast in Avignon, die Opéra national de Paris, die Bayreuther Festspiele, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, das Theater Basel sowie für die Stuttgarter Staatsoper, das Schauspiel Köln und die Wiener Festwochen.

In eigener Regie inszenierte Anna Viebrock an zahlreichen Opern- und Theaterhäusern, u.a. an der Opéra national de Paris, am Theater Basel, an der Staatsoper Hannover, dem Schauspiel Köln und am Hebbel-Theater in Berlin. In großen, farbigen Bildertableaus beispielhafter Inszenierungen gibt das Buch eine Werkübersicht, ergänzt durch Zitate von Anna Viebrock. Es beinhaltet darüber hinaus eine ausführliche Biografie und Bibliografie sowie begleitende Texte und Essays von namhaften Künstlern und Wissenschaftlern wie Jürg Laederach, Götz Leineweber, Ernst Surberg und Hans-Thies Lehmann.

Anna Viebrock ist von den Zeitschriften Theater heute und Opernwelt mehrfach als Bühnen- und Kostümbildnerin des Jahres ausgezeichnet worden. Ihre Inszenierung von Hans-Joachim Hespos’ Musiktheater iOPAL an der Staatsoper Hannover wurde 2004 zur Uraufführung des Jahres gewählt. 1997 erhielt sie den Hessischen Kulturpreis und 2004 den Theaterpreis Berlin. Seit 2009 ist Anna Viebrock Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Der reich bebilderte Band ist im Verlag Theater der Zeit erschienen und zeigt die 30 wichtigsten Inszenierungen Viebrocks aus 30 Jahren. 

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