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PROGRAMMDETAIL

Charles Gounod Faust

Opéra in fünf Akten von Charles Gounod (1818–1893)
Libretto von Jules Barbier (1825–1901) und Michel Carré (1821–1872)
nach Faust I von Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Neuinszenierung

Mit deutschen und englischen Übertiteln

Dauer der Oper ca. 4 Stunden.

PREMIERE

  • 10. August 2016, 19:00 Uhr

AUFFÜHRUNGEN

  • 14. August 2016, 19:30 Uhr
  • 17. August 2016, 20:00 Uhr
  • 20. August 2016, 20:00 Uhr
  • 23. August 2016, 19:00 Uhr
  • 26. August 2016, 19:00 Uhr
  • 29. August 2016, 19:00 Uhr

SPIELSTÄTTE

Großes Festspielhaus

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Alejo Pérez, Musikalische Leitung
Reinhard von der Thannen, Regie, Bühne und Kostüme
Giorgio Madia, Choreografie und Regiemitarbeit
Franck Evin, Licht
Birgit von der Thannen, Dramaturgie und konzeptionelle Mitarbeit
Katrin Hauer, Bühnenbildmitarbeit
Alexander Fahima, Regiemitarbeit und Abendspielleitung
Adriana Mortelliti, Choreografieassistenz
Walter Zeh, Choreinstudierung

BESETZUNG

Piotr Beczala, Faust
Ildar Abdrazakov, Méphistophélès
Maria Agresta, Marguerite
Alexey Markov, Valentin
Tara Erraught, Siébel
Paolo Rumetz, Wagner
Marie-Ange Todorovitch, Marthe

Philharmonia Chor Wien
Wiener Philharmoniker

Tänzerinnen
Francesca Maria Amante
Adi Hanan
Aleksandra Krajewska
Denise Noack
Veselina Handzhieva
Ya-Chun Tsai

Tänzer
Steven Forster
Meita Joseph Haim Besson
Giovanni Nicolella
Björn Christer Nilsson
Axe Sebastian Pena Inchausti
Michael Schneider
Miguel Collado Sanchez

Mimen
Augustin Alriq, Thomas Pfertner

Orgel im Orchester
Michaela Aigner

ZUR PRODUKTION

„Ein weltliches, lyrisch-dramatisches Talent“ – so charakterisierte Eduard Hanslick, der einflussreichste Musikkritiker des 19. Jahrhunderts, den Komponisten Charles Gounod, dessen wechselvolles Leben in Paris begann, wo er am 17. Juni 1818 geboren wurde. Von seiner Mutter, einer hochbegabten Pianistin, schon früh zu einer musikalischen Laufbahn ermutigt, stellte er sich zunächst als Komponist sakraler Werke vor. Die Sängerin Pauline Viardot-García war es, die ihm den Weg zur Oper wies und für die er 1851 Sapho, sein erstes Bühnenwerk, komponierte. Trotz der lauen Aufnahme beim Publikum glaubte Gounod an seine Berufung zum Opernkomponisten, und es war seine Vertonung des Faust, die Gounods weltweiten Ruhm begründete.

Nicht das Ringen des ewigen Suchers mit den Mächten des Kosmos steht im Mittelpunkt von Gounods Interesse, sondern jene Episode aus Faust I, die sich einer Vertonung am ehesten zuneigte: nämlich die „Gretchentragödie“, die Goethe bereits in seinen Urfaust eingeflochten hatte und die auf dem Schicksal der Dienstmagd Susanna Margarethe Brandt, einer 1772 in Frankfurt am Main zum Tode verurteilen Kinds-
mörderin beruht, weshalb diese Oper über einen längeren Zeitraum im deutschsprachigen Raum Margarethe hieß.

Marguerite ist eine junge Frau, die an die Liebe glaubt, und die durch ihre Begegnung mit Faust ermutigt wird, die sie umgebenden Konventionen von gesellschaftlicher Moral und religiösem Glauben zu sprengen. Sie bleibt dennoch chancenlos, in einer Gesellschaft, in der an das Verhalten von Männern und Frauen unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden.

In Gounods Oper zeigt sie sich als Männerphantasie, gebrochen in den drei so unterschiedlichen Blicken, die Faust, Siébel und Valentin auf sie werfen: als Lust- und Liebesobjekt und als Glaubensfigur. Gleichzeitig ist sie eine starke Frauenfigur, die eigenverantwortlich handelt, wenngleich sie an der Unvereinbarkeit der an sie gestellten Forderungen zugrunde geht.

Faust, der zu Beginn zwischen Todesangst und Todessehnsucht schwankt, ist desillusioniert an den Grenzen der Erkenntnis angekommen, zweifelt am Sinn seiner Existenz und verliebt sich in die Reinheit und Jungfräulichkeit von Marguerite. Für ihn stellt sie das universelle Leben, die endlose Zukunft und die körperliche Perfektion dar, mit der er sich vereinigen will.

Méphistophélès ist der Verführer, der aus der Seele des Faust auftaucht („Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust …“). Er ist die Menschwerdung einer ungebändigten Urkraft, eines Triebes, mithilfe derer Faust sich aus der amorphen Masse der Gesellschaft herauszuheben und zu individualisieren glaubt. Er ist keine Ausgeburt der Hölle, kein dämonisches Wesen, kein Aberglaube, sondern Ausdruck der Wünsche von Faust selber. Sein Verhalten steht über jeder Moral, übt keine Kritik, stellt keine Fragen, hat einzig das Ziel, zu ewiger Befriedigung zu verhelfen. Er ist, was er scheint.

Während Méphistophélès Marguerite als Figur zur Erreichung eben dieses Ziels benutzt, sieht sich Valentin als strenger Hüter der jungfräulichen Reinheit seiner Schwester, die er nach allen Regeln des kirchlichen Verdikts einzäunt. Nach dem Verlust ihrer Unschuld ächtet und verflucht er sie im Augenblick seines Todes. Sie wird nicht zuletzt auch an den ihr aufgetragenen gesellschaftlichen Pflichten zugrunde gehen.

Marguerite erkennt die Kollision gesellschaftlicher Normen und ihrer Gefühle. Sie folgt unbeirrt ihrer Liebe, wird verlassen und verstoßen, tötet ihr Kind und landet im Gefängnis. Am Ende bleibt ihr in einer Welt, die das Opfer zur Täterin macht, über das eine patriarchalische Gesellschaft richtet, nur der Wahn-Sinn.

Im Zentrum steht die Verführbarkeit und Manipulierbarkeit des Menschen. Der Chor als Spiegelung der Gesellschaft entlarvt die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der bürgerlich-konservativen Weltanschauung mit ihren Repressionen.

Wie schon Sartre sagte: „L’enfer, c’est les autres.“ („Die Hölle, das sind die anderen.“)

Reinhard von der Thannen



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