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PROGRAMMDETAIL

Henry Purcell • Dido and Aeneas

Oper in drei Akten von Henry Purcell (1659–1695)
Libretto von Nahum Tate (1652–1715) nach dem Epos Aeneis von Vergil (19. v. Chr.)

Mit deutschen und englischen Übertiteln

Dauer der Vorstellung ca. 1 Stunden und 40 Minuten.

PREMIERE

  • 18. August 2015, 17:30 Uhr

SPIELSTÄTTE

Felsenreitschule

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LEADING TEAM

Thomas Hengelbrock, Konzept und Musikalische Leitung
Florence von Gerkan, Bühne und Kostüme
Hwan Kim, Mitarbeit Bühne und Kostüme
Hubert Schwaiger, Licht
Gail Skrela, Choreographie

BESETZUNG

Johanna Wokalek, Sorceress und Sprechrolle
Kate Lindsey, Dido
Benedict Nelson, Aeneas
Katja Stuber, Belinda
Agnes Kovacs, Second Woman
Anne Bierwirth, First Witch
Marion Eckstein, Second Witch
Marion Eckstein, Spirit
Hermann Oswald, First Sailor
Balthasar-Neumann-Chor und -Solisten
Balthasar-Neumann-Ensemble

ZUR PRODUKTION

Eine verwitwete Herrscherin, die sich zu einer neuen Liebe durchringt und sich das Leben nimmt, als ihr Geliebter sie verlässt: Als Dichter und Komponisten ab dem späten 16. Jahrhundert die in Vergils Aeneis erzählte Geschichte des trojanischen Helden Aeneas und der Karthagerkönigin Dido für die Bühne entdeckten, interessierte sie vor allem die emotionale Perspektive der Frau. Das gilt – trotz des Titels – auch für Henry Purcells erste und einzige, um 1684 entstandene Oper Dido and Aeneas, die in Salzburg in einer außergewöhnlichen, um eine weibliche Sprechrolle ergänzten Form zur Aufführung gelangt. Gleich zu Beginn wird Dido als innerlich Zerrissene porträtiert, die sich von ihrer munteren Vertrauten Belinda nur widerstrebend ermutigen lässt, ihrem Herzen zu gehorchen. Und Didos Untergang ist nicht bloß eine Folge von Aeneas’ göttlich verordnetem Aufbruch Richtung Rom, sondern geschieht in bewusster Zerstörungsabsicht: Am Werk sind eine bösartige Zauberin und ihr Gefolge, welche die damalige Begeisterung für die Hexenszenen in Shakespeares Macbeth widerspiegeln und Purcell zu schauriger oder auch grotesker Musik inspirierten. Auf den Hexenzirkel folgt in größtem Gegensatz ein pastorales Idyll während der königlichen Jagd, der einzige Ruhepunkt einer Handlung, die rasch auf das tragische Ende zusteuert. Mit einer Dauer von kaum einer Stunde ist Dido and Aeneas eine Oper im Miniaturformat. Umso mehr faszinieren ihre emotionale und atmosphärische Bandbreite, die Vielfalt an Formen – darunter mehrere Chöre und Tänze –, die einander in schneller Folge abwechseln. Selbst Passagen, die sich im Libretto comicartig verkürzt lesen, verleiht Purcell menschliche Tiefe. Der Musikkritiker Andrew Porter äußerte einmal, er halte Dido and Aeneas für „die wohl einzige makellose Operntragödie, die je geschrieben wurde“. In ihrer schnörkellosen Wahrhaftigkeit und ihrem sicheren Gespür für dramatisches Timing bannt sie uns in jedem Augenblick, im Lamento der sterbenden Dido aber ergreift sie unser Herz: „Erinnert euch an mich, doch – ach! – vergesst mein Schicksal!“

Christian Arseni




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