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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Ouverture spirituelle im Zeichen des Buddhismus

9 JÄN2013

by FESTSPIELKIEBITZ  17:44 h;
veröffentlicht in: Konzert

Die neu eingeführte Konzertreihe Ouverture spirituelle stieß im vergangenen Jahr auf begeistertes Echo. Auch 2013 eröffnen die Salzburger Festspiele mit geistlicher Musik. Erneut werden Werke aus der Feder katholischer und protestantischer Komponisten einer anderen Religion gegenübergestellt – diesmal dem Buddhismus, der Ihnen mit traditioneller sowie neuer Musik aus Japan nähergebracht wird.

In unserem Programmheft bekommen Sie einen Überblick über die Veranstaltungen der Reihe Ouverture spirituelle:





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Ohne Titel, © Eva Schlegel

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EDITORIAL 2013

Das Konzert 2013

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

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Ouverture spirituelle

Der Buddhismus wurzelt in den Lehren des indischen Weisen Shākyamuni. Er wies den Menschen bereits vor rund 2500 Jahren einen Weg, die als leidvoll empfundene Existenz im Diesseits zu überwinden und Erlösung im Nirvāna zu erlangen. Mit seinem Tod (vermutlich 483 v. Chr.) soll Shākyamuni selbst diesen Weg vorangegangen und ein Buddha (ein „Erleuchteter“) geworden sein. In den nachfolgenden Jahrhunderten entwickelten sich seine Lehren zu einer komplexen Religion, die mit regional großen Unterschieden in ganz Asien Verbreitung fand.

Die in Ostasien vorherrschende Glaubensform ist der Mahāyāna-Buddhismus, die Lehre vom „Großen Fahrzeug“, die darauf abzielt, alle Lebewesen über das „Meer des Leidens“ ans „andere Ufer“, ins Nirvāna überzusetzen. Dazu ist ein vielgestaltiges und differenziertes Kultwesen entstanden, in dem auch Musik, Tanz und Theater eine wichtige Rolle spielen. In den großen Tempelzeremonien des japanischen Buddhismus steht Shōmyō, der Ritualgesang der Priester, im Mittelpunkt. Dieser hat sich seit seiner Einführung vom asiatischen Festland um die Mitte des 1. Jahrtausends zu einer eigenständigen Form von meditativer Vokalmusik entwickelt.

Im Konzert „Shōmyō – Buddhistische Ritualgesänge“ präsentiert der japanische Priesterchor Karyōbinga Shōmyō Kenkyūkai die Zeremonie Dai Hannya Tendoku’e („Symbolische Lesung des Großen Sūtra von der transzendenten Weisheit“). Das zentrale, wie eine avantgardistische Klangperformance inszenierte Ritual der kursorischen Lesung des Sūtra wird durch Rezitationen und Shōmyō-Gesänge umrahmt, die Hymnen, Gebete, Reuebekenntnisse und Segenswünsche an Buddhas und Bodhisattvas vermitteln. Einzelne Instrumente wie Schneckentrompete, Handglocke, Bronzeschale, Rasselstab, Becken und Gongs dienen dazu, den Ablauf klanglich zu strukturieren.

Schon in historischer Zeit hat man auch größere Instrumentalensembles eingesetzt, die aus der alten kaiserlichen Hofmusik Gagaku stammten. Der würdevolle Charakter dieser Musik wird im buddhistischen Kontext als klangliches Abbild der Transzendenz verstanden. An diese Praxis knüpft der japanische Komponist Toshio Hosokawa (*1955) mit seinem Werk New Seeds of Contemplation – Mandala (1986/1995) an, das vom Ensemble Yūsei aus Tokyo präsentiert wird. Hier sind die rituellen und klanglichen Abläufe buddhistischer Zeremonien mitsamt ihrer philosophisch-geistigen Matrix in einer künstlerischen Bearbeitung und mit neuer Sinngebung zu erleben. Auf den neun Sektoren eines Mandala-Teppichs sitzen neun Musiker: vier Priester als Shōmyō-Sänger sowie fünf Gagaku-Musiker. Sie spielen charakteristische Instrumente, die im ersten Teil des Konzertes auch in kleinen Solo- und Ensemblestücken aus dem traditionellen Repertoire zu hören sind.

Shōmyō ist durchweg einstimmiger Solo- und Chor-Gesang. Darin, aber auch durch seine liturgischen Funktionen und sein Alter steht er dem Gregorianischen Choral der christlichen Tradition nahe. Im Konzert „Shōmyō und Gregorianik“ trifft der buddhistische Priesterchor Karyōbinga Shōmyō Kenkyūkai mit den Cantori Gregoriani di Cremona unter Leitung von Fulvio Rampi zusammen. Die unmittelbare Gegenüberstellung von Gesängen zu Themen wie Anbetung, Verehrung und Kontemplation lässt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Traditionen hörbar werden.

Vom Shōmyō-Gesangsstil beeinflusst ist auch der japanische Epengesang mit Begleitung der Laute Biwa, der ursprünglich von blinden Laienpriestern entwickelt wurde, um die buddhistische Lehre im Volk zu verbreiten. Im 13. Jahrhundert kam das Heike-Epos hinzu, in dem unter dem buddhistischen Vanitas-Motiv des Shogyō mujō („Alles irdische Treiben ist vergänglich“), der Aufstieg und Fall eines mittelalterlichen Adelsgeschlechts erzählt wird. Zen-buddhistische Mönche des 17. Jahrhunderts griffen die Bambusflöte Shakuhachi auf und schufen auf ihr mit Honkyoku eine ungewöhnliche Klangkunst, die als Hilfsmittel der Meditation diente. Im Konzert „Japan: Von der Tradition in die Moderne“ präsentieren Junko Handa und Tadashi Tajima zunächst Kostproben aus dem jeweiligen traditionellen Repertoire. Mittlerweile haben Komponisten wie Tōru Takemitsu (1930–1996), die in den 1960er Jahren Japans traditionelle Musik wiederentdeckten, auch zahlreiche neue Werke geschaffen. Takemitsu schrieb für die beiden Instrumente Eclipse (1966) und übertrug seine Erfahrungen mit japanischer Klanglichkeit auch auf Werke wie Bryce (1976). Toshio Hosokawas Voyage X „Nozarashi“ (2009) für Shaku-hachi und westliches Instrumentalensemble nimmt auf ein buddhistisch getöntes Haiku-Gedicht von Bashō (1644–1694) Bezug. Tadashi Tajima spielt das Werk zusammen mit dem oenm unter der Leitung von Titus Engel.

Heinz-Dieter Reese

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

Wie voriges Jahr begleitet das Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Ouverture spirituelle inhaltlich mit wissenschaftlichen Erörterungen und Diskussionen. Begleitend zu den buddhistischen Meditationen, Ritualgesängen und der japanischen Klanglichkeit des Konzertprogramms, werden bei den Disputationes Themen aufgegriffen, die sich mit den Fragen rund um den interkulturellen und interreligiösen Dialog auseinandersetzen. Die Anziehungskraft des Buddhismus auf unsere europäische Welt nimmt ständig zu. Grund dafür ist ein wachsendes spirituelles Bedürfnis, die Suche nach göttlicher Energie, die in der Erkenntnisreligion Buddhismus scheinbar heute leichter zu erlangen ist als im dogmatisch strukturierten Christentum; schon gar nicht in unserer säkularisierten Gesellschaft. Unter diesem Aspekt ist die Auseinandersetzung damit aus Anlass der Ouverture spirituelle für unsere Zeit wesentlich. Musik ist hier eine Brücke zum Verständnis der geistigen Vielfalt unserer Zeit.

Die Auftaktveranstaltung findet am 19. Juli 2013 statt. Es folgen drei Gesprächsrunden im Rahmen der Ouverture spirituelle.